Mitgehangen, mitgefangen

IMG_5109-0Der kleine Herr M. ist krank. Hat das, was alle Kinder gestern im Wartezimmer hatten. Ist eben Februar, Ende des Winters, keiner kann mehr, das Immunsystem erst Recht nicht. Aber alles kein Grund zum Trübsal blasen, Frau Mama! Lieber Quatsch machen, an verbotene Dinge gehen, wenn die Eltern sie auch so blöde auf Kinderhöhe in Schubladen stecken, diese tollen Schwerter oder Stöcker oder Hauer oder was auch immer – super! Klong klong, bong bong, haha, piek piek. Ne, Schluss damit, kommen jetzt weg die blöden Dinger! Wer hat die denn da auch in die Schublade? … Ach so, ich. Egal, hoch damit auf den Schrank jetzt. Komm, wir gehen Kuchen backen! Ja? Ja! Auf dem Arm! Näher! Noch näher! Gleich komm ich ran, an die Matsche und vor allem die lauten Drehteile, was ist das? Oooch Mama, lass mich doch! Ah, aber was ist das? Mmmh, süß. Gut! Mehr! Noch mehr! Das reicht, mein Herz, jetzt muss der in den Ofen, nachher essen wir davon zusammen. (Oder ich alleine, wenn Du doch noch mal einschläfst vor Krankheit und Müdigkeit und Kampfsport und Entdeckerlust. Hoffentlich!) Und morgen geht es Dir bestimmt schon wieder besser.

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Grau. Oder grow?

grauEs gab ein paar Tage, da war alles grau. Grau, grau, grau. Die Krankheiten, die hier nicht enden wollen, die kleine doofe Diagnose des kleinen Herrn M., die das Grau schon fast Schwarz schimmern ließ, Paris, die es noch schwärzer machte, die Bindfäden und das Dunkel vom Himmel, furchtbare Nachrichten in der engeren Umgebung, das Weinen des kleinen Jungen in der Kita und die eigene Ungeduld mit mir selbst, meinen Kindern, meinem Mann, dem ganzen Leben. Grau, grau, grau. Und da legte ich es dann, das Grau aus Türkis, einer der schönsten Farben überhaupt, so türkis wie das Meer oder ein Sommerhimmel, Türkis auf Grau, Wolle auf Wolle, grau. Und siehe da, aus dem grau wird ein grow, oder sehe das nur ich? Und wenn es so ist, so spüre ich doch jetzt, ein paar Tage später, dass grau auch grow sein kann. Wird schon.

Jahreszeitenwechsel

Es gibt ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Winter vor der Tür steht. Unausweichlich. Das ist die letzte Fahrt des Jahres mit meinem Roller. Die Fahrt durch die nassen Blätter, mit Handschuhen und einer Strumpfhose unter der Jeans. Die Fahrt, die die Vespa-Saison aus- und den Winterschlaf für mein Gefährt einläutet. In der Werkstatt meines Vertrauens, wo mein Roller neben seinesgleichen im Warmen überwintern kann. Seit Jahren mache ich das nun schon so. Seit Jahren ist es dieser eine Tag, der für mich das Ende des Sommers bedeutet, der Freiheit um die Nase und des Benzingeruchs an den Fingern beim Tanken. Seit mehr als der Hälfte meines Lebens mache ich das schon so, unvorstellbar. So lange ist diese schwarze Wespe schon an meiner Seite. Oder vielmehr unter meinem Po. Und in einem knappen halben Jahr ist sie wieder da! Spätestens. Denn dann gibt es die andere Fahrt. Die Fahrt am Ende des Winters. Nicht dass ich ihn nicht mag, den kalten Gesellen, aber darauf freue ich mich jedes Mal wieder. Und tue es jetzt schon ein bisschen. Gute Nacht, mein lieber Roller. Schlaf gut. Und bis ganz bald! Im Frühling.

Geschmackserlebnisse

Ich mag gutes Brot mit Butter und Salz, Walnüsse, frisch geknackt, einen Apfel, der vor Frische nur so fließt, und ein weltbestes Curry mit wenigen Zutaten vom besten Mann meiner Welt. Es ist so schön, wieder nach Hause zu kommen! Auch, wenn der Besuch bei den Großeltern in der alten Heimat ein wunderschöner war. Mit Oma und Opa, die vor Rührung über das kleine Mädchen und ihre neuen tollen Worte weinten. Mit den Herzenfreundinnen mit neuen Kindern im Bauch und neuen Möbeln im Haus. Mit Enten füttern und Tee für Puppen servieren. Und mit dem Onkel, den man so oft nu auch nicht sieht. Wir haben uns so gefreut, das kleine Mädchen und ich. Und jetzt machen wir es uns schön warm und gemütlich, später laufen wir durch die kalte Stadt und küssen uns auf die roten Nasen.

Hinterher

Ich komme schon wieder nicht mehr hinterher. Während bei mir noch das letzte Blatt am Baum hängt, steht draußen schon der Schnee gefühlte Meter hoch. Dafür bin ich beim Schnupfen ganz up to date. Der Winterschnupfen hat sich einfach auf den Herbstschnupfen gelegt. Herrlich, was gibt es Schöneres? Vielleicht liegt das aber auch an dem ersten Kitajahr, das wir hier durchleben. Die Tochter laviert sich ganz gut vorbei an den dicken Dingern, schnupft ein bisschen, hustet etwas mehr, aber die Eltern kriegen sofort die volle Ladung. Erfahrene Eltern erzählen uns, das wäre normal im ersten Jahr. Ach, wie schön wäre es, wenn jetzt schon hinterher wäre. In diesem Falle. Dann wären wir alle abgehärtet und gesund, keine kleine Vire könnte uns mehr etwas anhaben. Und die Zähne wären auch schon alle da. Hinterher.

Schöner Winter

winterhimmel Schnee, Schnee, Schnee, dazu Sonnenschein, dann kann der Winter richtig schön sein. Jetzt ist zwar wieder fast alles getaut und die letzten Tage war ja auch wieder Regenpiesel angesagt, aber diese Morgende, an denen die Bäume vorm Fenster bepuderzuckert waren und die Kristalle in der Sonne glänzten, die machen den Winter sogar zu meinem Freund. Trotzdem: Sehnsucht ist immer noch da.

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Sehnsucht

sommertisch Jetzt ist es offiziell: ich habe Sehnsucht.

Danach, dass der Winter in Berlin vorbei ist und die Sonne länger scheint, danach, dass man wieder draußen sitzen kann, ohne dass einem der Popo einfriert oder die Schuhe vom Matsch nass werden. Ich habe Sehnsucht danach, dass die Vögel länger zwitschern und man wieder ohne Handschuhe Fahrrad fahren kann. Ich habe vor allem Sehnsucht danach, dass die Menschen wieder mehr lächeln und freundlich sind, denn das ist im Sommer eher der Fall als im Winter (vor allem in Berlin). Und ich habe Sehnsucht nach einer Roséschorle in der Abendsonne, aber das wird noch dauern, nicht wahr liebe Freunde?