Ein Drittel Kind

2kidsDie deutsche Durchschnittsjournalistin hat 1,2 Kinder. Mir hat mal jemand erzählt, die Zahl läge bei 0,3, und auch das habe ich ohne Weiteres geglaubt. Vielleicht bezog sich das Drittel Kind aber auch auf freie Journalistinnen, da das kleine Wörtchen „frei“ ja schließlich einen immensen Unterschied zu dem fest angestellten Dasein macht. In dieser aktuelleren Umfrage gibt es keine konkreten Zahlen, hier schon: In mehr als 50 Prozent der Fälle hat die deutsche freie Journalistin keine Kinder. Kommt also dem 0,3 Kind wieder näher.

Wie auch immer, es sieht schlecht aus für die Mütter unter den Publizistinnen. Und ganz besonders für die Mehrfachmütter. Kein Wunder. Immer ein Kind, das krank werden kann, bei zweien noch eins mehr. Und mit der staatlichen Unterstützung sieht es auch nicht besonders gut aus, wenn die Elternzeit vorbei ist. Wenn Auftraggeber verloren oder pleite gegangen sind. Wenn man selbst krank wird. Und der Mann kein Anwalt, Arzt oder andersartig besonders gut verdienender Angestellter ist. Oder man gar keinen Mann hat, das Kind oder die Kinder alleine aufzieht. Und man keine freie Erfolgsjournalistin ist, die zu dem kleinen eingeschworenen Kreis dieser Handvoll in Berlin und Hamburg Zutritt hat. (Oder auch einfach gar keinen Zutritt haben will.)

Ich habe kein Drittel Kind. Ich habe zwei ganze Kinder. 2,0. Und zum Glück den Mann mit dabei. Und ich bin dankbar und glücklich darüber, und träume in vielen Momenten davon, noch mehr von diesen tollen, (rothaarigen,) kreischenden und schnellen Wesen in die Welt setzen – aber eben, wenn ich träume. Denn in den ganz wachen Momenten, in denen muss ich irgendwie sehen, wie ich mit diesen beiden auch noch mein Geld verdiene, in der Flut des Alltags und der Informationen, der Anforderungen und Aufgaben den Überblick behalte und auch keine Panik bei Ebbe bekomme. Mal gelingt das besser, mal schlechter. Bin ja auch noch nicht so lange 2,0-Mama.

So hebe ich also den Durchschnitt an. Egal, ob frei oder nicht. Und für nichts in der Welt würde ich es anders wollen. Auch wenn es gerade nicht so leicht ist.