Alte Freunde

Es gibt sie, diese Momente. In denen die Erinnerungen hoch kommen und ein bisschen weh tun. Denn es sind Erinnerungen an vergangene Zeiten, an alte Freunde, die heute keine mehr sind. Erinnerungen, die das Herz dennoch schwer machen. Weil sie mal so viel wogen, die Freundschaften. Aber es ist so, man verliert sich, findet Neues, neue Freunde. Alte Freunde gehen, gehen aus dem Leben, die Kreise werden größer und treffen sich nicht mehr, da ist keine Schnittmenge mehr. Jetzt verstehe ich Mathe.

Es gibt sie, diese Momente. In denen die Bilder hoch kommen, die das ausmalen, was jetzt wäre, wenn man sich träfe. Wäre es schön? Wäre es ein gutes Wiedersehen? Könnte man über die fehlende Schnittmenge hinwegsehen, diesen Moment, in dem die Kreise auseinanderdrifteten? Ginge es ohne Vorwürfe? Ach, so viele Konjunktive.

Dann sitze ich da, denke nach und überlege, ob ich demjenigen schreiben sollte. Schreiben sollte, was man fühlt, woran man hängt, was einem fehlt und wie traurig man ist, dass der eine kein Interesse mehr am Leben des anderen hat. Und andersherum. Aber dann geht einem auf, dass es nur um Vergangenes geht, dass da kein Jetzt mehr ist. Weil es alte Freunde sind. Und dann schreibe ich keinen Brief.

Ich habe den richtigen Weg noch nicht gefunden, die alten Freundschaften, die nicht mehr im Jetzt leben, weg zu packen. In ein Kistchen vielleicht, verziert mit Schleifen und Bändchen, gefüllt mit Fotos und eben jenem Brief, den es mich juckt, zu schreiben.

Es gibt sie, diese Momente. Momente, in denen die Erinnerungen hoch kommen und ein bisschen weh tun.

Aber sie gehen auch wieder vorbei.