Beruf: Schreibmaschinen-Schreiber

Was für eine wunderbare Berufung! Schreiben für Menschen, die einem begegnen, in der Stadt, im Park, auf einem Konzert. Auf einer alten Schreibmaschine, die 10 Dollar gekostet hat, eine Geschichte, höchstens zwei Seiten lang, meistens eine. Ganz frei oder mit vorgegeben Stichworten, Fotos, Inspirationen. Für das, was man dafür bezahlen will. So macht das C.D. Hermelin aka The Roving Typist aus New York City. Gefunden über Slomo. Gefilmt von Mark Cersosimo. Gesehen bei Vimeo. Und wer will – und Geduld hat -, kann sich auf seiner Seite in eine Mailingliste eintragen, um auch eine Geschichte zu bekommen. Ich will!

Gestatten, Landreporterin!

landreporterinWie schön ist es doch, mal aus dem Moloch raus zu kommen. Wie schön ist es doch, aufs Land zu fahren. Im Moment bin ich da des öfteren wieder, in der Uckermark, im Spreewald, im Nirgendwo und Überall. Hauptsache raus, Hauptsache grün, Hauptsache Land. Zusammen mit der wunderbaren Fotografin Sandra Hermannsen, deren Lichtmodel ich gerne mal bin, schließlich lässt sie jeden strahlen. Danke Sandra, für ein paar schöne Geschichten mit Dir. Bald mehr dazu unter Schreiben.

Foto: Sandra Hermannsen

Keine Ruhe

notizenManchmal hilft nur Schreiben. In das schöne Buch von meiner lieben Freundin E. Eine meiner besten Freundinnen, die mich gerade mit ihrem Besuch mitsamt den beiden Kindern und ein bisschen beglückt hat. Abgelenkt hat von den Sorgen und den Ängsten, die die kleine doofe Diagnose des kleinen Herrn M. mit sich gebracht haben. Da sieht man jeden Tag wieder was Neues und liest wieder was Neues und denkt wieder was Neues und macht sich solche Sorgen und hat die blödesten Ängste, wie es noch wird, wie wir das schaffen, wann es vorbei ist, ob es vorbei ist, wie es ihm dabei geht, wie es ihm dabei gehen wird, wenn er krank ist und bleibt und wir keine Lösung finden. Alles nicht so schlimm, sagt die innere Stimme auch immer mal wieder. Und: Es gibt viel, viel Schlimmeres. Ja, das stimmt. Aber dennoch sind sie da, die Sorgen und Ängste. Und eben die Diagnose, die aber ja auch wieder verschwinden kann. Kann – aber nicht muss. Soll – aber nicht sicher wird. Und so weiter und so fort. Keine Ruhe, fast nirgends. Nur in diesen Momenten der Besinnung und des Schreibens, in dieses schöne Buch von meiner schönen Freundin. Danke E., dass Ihr da ward. Und für Alles!

Schreiben und Yoga

Ich schreibe, seit ich mit 13 angefangen habe, in einem Tagebuch meine Erlebnisse festzuhalten – wie jedes dritte Mädchen sicherlich. Das Schreiben bekam dann aber im Jahr nach dem Abitur eine besondere Bedeutung – in den Briefen, die ich aus Paris an meine Freunde schrieb, in den vielen Heften, die von den Spaziergängen durch die Stadt und meinen postadolenten Gefühlen in dieser Zeit voll sind. Wenige Monate nachdem ich in Paris war, reiste ich mit dem Rucksack und einer Freundin durch Südostasien – wie jeder fünfte Postadoleszente sicherlich. Dort wurde das Schreiben noch wichtiger für mich – und eine Reisebekanntschaft brachte mich auf die Idee, Journalistin zu werden. Und so kam es.

Ich mache Yoga, seit ich mir mit 16/17 in der Stadtbücherei ein Buch aus den Spätsiebzigern ausgeliehen hatte, mit dessen Anleitung ich den Sonnengruss übte und mich irgendwie erleuchtet fühlte. Das war anders als aller Sport, den ich bisher gemacht hatte. Und ich habe viel Sport gemacht! Leistungsschwimmen, Ballett, Kunstturnen, Fechten. Das hier war anders, das hier tat auch gut. Meinen ersten Yogakurs machte ich dann beim Unisport an der Humboldt Universität. Dass dieser Yogalehrer ein nicht so unbekannter ist, das habe ich erst jetzt heraus gefunden. Nun, es war damals alles noch ein wenig fremd für mich, die Namen, das Einstimmen, die Übungen. Aber es tat gut. Ich war vielleicht 20 Jahre alt. Einige Zeit später entdeckte ich dann Iyengar Yoga für mich, eine Hatha Yoga Form, die mit viel Übungshilfen arbeitet – Klötzen, Bändern, Kissen. „Furniture-Yoga“ sagen die Amerikaner. Mehr oder minder regelmäßig begleitete mich dieses Yoga durch mein Studium. Mein langes Studium. Gerade die letzten Jahre bis nach dem Abschluss ging ich wieder regelmäßig. Es tat gut. Und dann wurde ich schwanger. Und wollte Schwangerenyoga machen. Und fand meine Lehrerin. Es folgten einige Monate Rückbildungsyoga nach der Geburt meiner Tochter, und dann fragte mich meine Lehrerin eines Tages: Annika, kannst Du Dir eigentlich vorstellen, Yoga zu unterrichten? Ja, war meine spontane Antwort. Und so begann ich mit der Ausbildung zur Schwangeren- und Rückbildungsyogalehrerin.

Ich schreibe weiterhin, beruflich und privat. Fühle mich im Schreiben zuhause und entdecke immer wieder Neues darin. Die Themen verändern sich, verändern sich mit den Lebensumständen, wie ich feststelle. Und Yoga hilft mir dabei. Ist ein guter Mitfahrer in diesem Vehikel Leben. Und gerade Yoga mit Schwangeren, das habe ich jetzt beim Vertreten meiner Lehrerin gemerkt. Es war wunderbar, die Schwangeren zu unterrichten. Vielleicht weil da noch so viel mehr Leben drin steckt…

Schreiben und Yoga. Kann ich nur jedem empfehlen.

Schlussphase

Es ist so weit. Schlussphase. Endspurt. Die letzten Wochen sind angebrochen, die letzten Seiten sind zu schreiben, die letzten Korrekturen zu machen. Die letzten Kräfte werden mobilisiert und aktiviert, und so sehr ich mich darauf freue, endlich, endlich, endlich fertig zu sein, genauso kommen die ersten Momente, in denen ich weiß, dass es mir fehlen wird. Dass mir meine Protagonisten fehlen werden, die mich nun seit bestimmt einem Jahr bestimmt begleiten (oder sogar mehr???) – und wenn es nur gedanklich war. Dass mir diese Tage zuhause fehlen werden, in denen ich wusste, ich musste. Nach einem weiteren Tee, einem weiteren Blog, einer weiteren Email wurde wieder geschrieben. Und nicht so wie sonst des Informationsgehalts oder des vom Chefredakteur gewünschten Themas wegen – nein, nein, diesmal war alles ganz frei. Nur mein Ding (abgesehen von dem schon lange beim Verlag eingereichten Exposé, das die Richtung vorgibt), nur mein Weg. Schön wars – und anstrengend. Und schön ist es noch – und anstrengend, diese letzten drei Wochen. Schlussphase.