Erinnerungen an Opa

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Diese Kiste. Diese alte Kiste mit alten Eisenbahnen. Märklin. Natürlich. Ist schließlich eine Kiste von Opa A., und Opa hatte Eisenbahnen. Das sind seine, und während ich die hübschen Kartons und Details bewundere, die Illustrationen, Leiterchen, Namen und Modelle, gerne aus dem Wilden Westen – und damit ist nicht die alte BRD gemeint – kommen sie wieder hoch, Bilder der Erinnerung. Erinnerungen an Opa. Es sind leider nicht so viele, weil er früh starb, früh krank wurde, eine Krankheit, die den Menschen noch leiser werden lässt, als er es – in Opas Fall – eh schon war. Denn das war er, ein leiser und ein feiner Mann. Immer gut angezogen. Immer nach Rasierwasser duftend – welches es wohl war? Ich werde mal seine Tochter fragen, vielleicht weiß sie es noch. Einer dieser Klassiker bestimmt. Immer ein Kamm in der Tasche, um sich bei jeder ergebenden Gelegenheit die feinen, dichten und vorne so langen grauen Haare nach hinten zu kämmen. Eine Frisur, die ich heute bei Männern gegelt eher schwierig finde, bei meinem Opa aber, der meiner Erinnerung nach Haarwasser oder Haarcreme verwendete (war es Brisk? Birkin!) geradezu edel wirkte. Mit den zackigen Geheimratsecken. In einer Familie, die auf der männlichen Seite auch zum starken Haarverlust auf dem Kopf neigt, stach er heraus. Volles, graues, duftendes Haar. So wie er in diesen Momenten auf mich wirkte, wenn er den Kamm in geübter Bewegung durch sie zog, schnell, mit der anderen Hand sorgsam hinterher streichend, so war mein Opa in Gänze für mich. Bei sich. Ganz ruhig. Im Jetzt. Besonnen. So habe ich ihn auch aus Kinderaugen über seine  Eisenbahnlandschaft gebeugt gesehen. Konzentriert und in diesem einen Moment, ein bisschen für sich. Mit diesem immer etwas skurril anmutenden Spielzeug für große Jungs. Eher ein Einzelgänger als ein Haudrauf und Publikumsmensch. Ich mochte ihn wohl, sehr. Das weiß ich. „Erinnerst Du Dich eigentlich an Opa?“, fragt meine Mutter immer wieder mal. Es ist ihr wichtig, das weiß ich. Weil er ihr wichtig war. Und es macht sie traurig, dass meine Erinnerung an ihn getrübt oder verblasst sein könnte, weil er früh in meinem Leben krank wurde und früh starb. Aber ich erinnere mich. An einen feinen, leisen, duftenden, besonnenen Mann, mit einem schwarz-goldenen Siegelring, warmen Händen, die mich halten und einer ruhigen Stimme, die mit mir spricht, in wenigen Worten, zugewandt und liebevoll. An meinen Opa, den einzigen, den ich noch erlebte. Nicht lange, nicht laut, nicht aufdrängend. Aber ich erinnere mich. Gerne.

Wie es mich rührt

Sie liebt ihren Opa. Der nicht mehr so schnell kann und nicht mehr so viel und nicht mehr so lang. Das kleine Mädchen fordert ihn und bettelt ihn an und zwingt ihn zum Tanzen, Toben, Traumstunde gucken. Und er macht es mit, gibt all seine Kraft und all seine Liebe – ja, von der hat er viel – und ist danach vielleicht noch ein bisschen müder und kraftloser, aber auch sehr glücklich. Denn das kleine Mädchen liebt ihren Opa. Das merkt man nicht nur daran, wie sie ihn bestaunt, nach ihm fragt und mit ihm redet, sondern auch, wie sie ihn umarmt und ihn streichelt. Wie es mich rührt! Wie sie so da sitzt, zwischen der vorlesenden Oma und dem zuhörenden Opa, mit einer Hand auf Omas Arm und der anderen auf Opas Hand. Und ihn streichelt. Immerzu. Ganz zärtlich. Und ganz liebevoll. Wie es mich rührt….