Zwischen Himmel und Sand

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Da stehe ich also und versuche erstmal einen Überblick zu bekommen, wo der Himmel aufhört, das Meer beginnt und der Sand endet. Artikel über Lammbraten in der taz, eine ganz besondere Reise durch Brandenburg, der entstehende Webshop für den hübschen Laden „Snugata“ mit ökologischer Kinderkleidung, für den ich gerade arbeite, sowie ein neues Herzensprojekt standen und stehen an. Und eine kleine Bilderflut von der Nordsee, die geordnet werden will, auch im Kopf. Darunter welche, die mal ausnahmsweise nicht ich, sondern meine Freundin E. Engelhardt gemacht hat. Wie dieses hier. Von meinem Mädchen und mir. Danke!

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Ein Fest für J. – und ein Vorhaben

j_vorbereitungenJ. oh J., was bist Du für ein tolles Partygirl, hast Deine Gäste mit einem „Alles-lacht“-Gesicht begrüßt, in der Kälte ausgeharrt, im Rampenlicht gestanden und den feierlichen Akt ohne mit der Wimper zu zucken mit großen Augen wahr genommen, hast gegessen und getrunken – Dir ganze Brotscheiben mit solcher Wonne zu eigen gemacht, als wäre es das feinste Essen auf der Welt -, hast mit den Beinen gewippt und dem Oberkörper getanzt. Hast ganz unauffällig ein Schläfchen hier und ein anderes da gemacht, hast nach dem Aufwachen wieder alle bezirzt, alle beglückt, so dass sich jeder darum riss, in Deiner Nähe zu sein. Mal ehrlich, mit sechs Monaten könnte das bei einer Taufe auch ganz anders sein. Aber das bist Du – eine tolle J.!

Noch ganz beseelt von einem schönen Fest für ein besonderes kleines Mädchen geht es jetzt  (- ich will nicht sagen natürlich verspätet, tue es aber ein wenig beschämt doch -) endlich an die Durchführung meines Vorhabens: Eine etwas abgewandelte Triangel-Patchworkdecke für mein frisch gewässertes Patenkind. Die Stoffe sind da, das Bild im Kopf auch, inspiriert von hier und hier und hoffentlich geholfen durch hier. Ich werde berichten.

 

Einfach mal den Stecker ziehen

heartbook by lManchmal will ich einfach den Stecker ziehen. Wenn das eine Kind krank und das andere quengelig ist, wenn sich die Ablage auf dem Schreibtisch über die Ablage stapelt und das Bad aussieht wie ein Dachboden. Wenn es sich so anfühlt, als würden alle anderen ihr Leben prima in den Griff kriegen, nur bei einem selbst rumpelt und hakt es. Wenn man unfair wird und unfair denkt und so gerne fair wäre, aber es eben in diesem Moment nicht kann. Wenn man das Gefühl hat, dass man jetzt einfach gar nichts kann. Kein Kind beruhigen, keine Stapel abarbeiten, kein Zimmer putzen (und natürlich gar keinen Dachboden haben), keinen klaren Kopf behalten, kein gar nichts. Nur den Stecker ziehen. Bitte einen Moment. Jetzt. Zack.

(Foto: Artwork „HeartBook“ by L. Hennebach)

Ein Drittel Kind

2kidsDie deutsche Durchschnittsjournalistin hat 1,2 Kinder. Mir hat mal jemand erzählt, die Zahl läge bei 0,3, und auch das habe ich ohne Weiteres geglaubt. Vielleicht bezog sich das Drittel Kind aber auch auf freie Journalistinnen, da das kleine Wörtchen „frei“ ja schließlich einen immensen Unterschied zu dem fest angestellten Dasein macht. In dieser aktuelleren Umfrage gibt es keine konkreten Zahlen, hier schon: In mehr als 50 Prozent der Fälle hat die deutsche freie Journalistin keine Kinder. Kommt also dem 0,3 Kind wieder näher.

Wie auch immer, es sieht schlecht aus für die Mütter unter den Publizistinnen. Und ganz besonders für die Mehrfachmütter. Kein Wunder. Immer ein Kind, das krank werden kann, bei zweien noch eins mehr. Und mit der staatlichen Unterstützung sieht es auch nicht besonders gut aus, wenn die Elternzeit vorbei ist. Wenn Auftraggeber verloren oder pleite gegangen sind. Wenn man selbst krank wird. Und der Mann kein Anwalt, Arzt oder andersartig besonders gut verdienender Angestellter ist. Oder man gar keinen Mann hat, das Kind oder die Kinder alleine aufzieht. Und man keine freie Erfolgsjournalistin ist, die zu dem kleinen eingeschworenen Kreis dieser Handvoll in Berlin und Hamburg Zutritt hat. (Oder auch einfach gar keinen Zutritt haben will.)

Ich habe kein Drittel Kind. Ich habe zwei ganze Kinder. 2,0. Und zum Glück den Mann mit dabei. Und ich bin dankbar und glücklich darüber, und träume in vielen Momenten davon, noch mehr von diesen tollen, (rothaarigen,) kreischenden und schnellen Wesen in die Welt setzen – aber eben, wenn ich träume. Denn in den ganz wachen Momenten, in denen muss ich irgendwie sehen, wie ich mit diesen beiden auch noch mein Geld verdiene, in der Flut des Alltags und der Informationen, der Anforderungen und Aufgaben den Überblick behalte und auch keine Panik bei Ebbe bekomme. Mal gelingt das besser, mal schlechter. Bin ja auch noch nicht so lange 2,0-Mama.

So hebe ich also den Durchschnitt an. Egal, ob frei oder nicht. Und für nichts in der Welt würde ich es anders wollen. Auch wenn es gerade nicht so leicht ist.

Bollen

bollen1 bollen2 bollen3 bollen4 bollen5Es gibt da ein paar Dinge, die wir beim Essen beachten müssen. Wegen mir mal wieder, aber auch wegen dem kleinen Herrn M. Wie gut, dass es so wunderbare Blogs wie Green Kitchen Stories gibt, die einen dazu anregen und dabei helfen, ohne Weizen, Kuh-Milch (M. und ich) und Zucker (im Moment nur M., puuuuuh) zu backen. Diese Bollen. Fluffige, nussig-schokoladige Kardamom-Bollen. Hammer! Gut, in der Schokolade ist Zucker, denn noch habe ich keine gute dunkle Schokolade ohne Zucker gefunden, die einigermaßen bezahlbar und backbar ist (gerne Tipps oder Ideen an mich, falls jemand eine kennt!), aber M. hat sich zum Glück beim letzten Mal nur mit dem Teig äußerst zufrieden gegeben. Das nächste Mal mache ich einen Teil mit, einen Teil ohne. Oder aber kenne dann eine gute Schokolade. Es wird auf jeden Fall ein nächstes Mal geben, denn sie waren einfach zu gut. Zu fluffig, zu kardamomig, um sie nicht noch mal zu backen. Ich habe übrigens das Weizenmehl im Rezept durch Dinkel ersetzt – klappt hervorragend.

Mitgehangen, mitgefangen

IMG_5109-0Der kleine Herr M. ist krank. Hat das, was alle Kinder gestern im Wartezimmer hatten. Ist eben Februar, Ende des Winters, keiner kann mehr, das Immunsystem erst Recht nicht. Aber alles kein Grund zum Trübsal blasen, Frau Mama! Lieber Quatsch machen, an verbotene Dinge gehen, wenn die Eltern sie auch so blöde auf Kinderhöhe in Schubladen stecken, diese tollen Schwerter oder Stöcker oder Hauer oder was auch immer – super! Klong klong, bong bong, haha, piek piek. Ne, Schluss damit, kommen jetzt weg die blöden Dinger! Wer hat die denn da auch in die Schublade? … Ach so, ich. Egal, hoch damit auf den Schrank jetzt. Komm, wir gehen Kuchen backen! Ja? Ja! Auf dem Arm! Näher! Noch näher! Gleich komm ich ran, an die Matsche und vor allem die lauten Drehteile, was ist das? Oooch Mama, lass mich doch! Ah, aber was ist das? Mmmh, süß. Gut! Mehr! Noch mehr! Das reicht, mein Herz, jetzt muss der in den Ofen, nachher essen wir davon zusammen. (Oder ich alleine, wenn Du doch noch mal einschläfst vor Krankheit und Müdigkeit und Kampfsport und Entdeckerlust. Hoffentlich!) Und morgen geht es Dir bestimmt schon wieder besser.

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Oller Krimskrams

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Heute vor fünf Jahren wurde sie geboren. Und schon damals lehrte sie mich: Es geht auch anders. Nicht so, wie Du denkst. Oder gar willst. Ein eigener Kopf, von Anfang an. Liegt vielleicht auch an den roten Haaren, die ihr schon damals (damals, hach) wild von Ebendiesem abstanden. Sie überrascht mich immer wieder, fordert mich immer wieder neue und andere, zunächst oft als ungewollt empfundene Wege zu gehen. Es geht eben auch anders. Das ist erst mal schwer, aber dann meist ziemlich gut. Und dafür bin ich ihr so dankbar. Dankbar, dass sie so ist, dankbar, dass sie da ist, dankbar, dass sie ist, wie sie ist. So ein tolles Mädchen! Voller Liebe und Energie, Fantasie und Fragen. Voller Bilder und Zartheit, Wildheit und Wucht. Ach ja, und sie weiß natürlich ganz genau, was sie will (nämlich meistens genau das Andere, oft viel Einfachere, Feinere). Als sie heute morgen ihre Geschenke auspackte, war erst das dritte oder vierte so richtig nach ihrem derzeitigen Geschmack. „Oh, das habe ich mir so gewünscht! Und ich dachte schon, ich kriege nur ollen Krimskrams!“ Jetzt wird der übrigens auch bespielt, der olle Krimskrams. Manchmal geht es eben auch anders. Happy Birthday, mein Wundermädchen!

Kleinigkeiten

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Es sind die Kleinigkeiten, die einem das Herz besonders stark rühren. Und die all die alltägliche Anstrengung wieder wett machen. Seine kleine Hand, mit der er sich an mir festhält, wenn ich ihn im Tragetuch trage. Ihre kleine Nase, die er auf der Wickelkommode ansaugt, einfach, weil Babies eben saugen (und sie so süß ist). Und das jetzt das neue Spiel der beiden Geschwister ist, wenn sie ihm die Windel aussucht und seine Kacka sehen will (so ist das eben mit vier.) Die Bilder, die sie malt, und auf denen jetzt ein vierter kleiner Schmetterling oder ein kleiner Junge ist „da ist M. schon etwas größer“, erklärt sie mir dann. Und mein Herz hüpft. Wenn sie nachmittags zwischen uns in Bett gekrochen kommt, vielmehr zu ihm, denn da will sie sein, und wenn sie dann auch einschläft, ihre kleine Hand an seiner noch kleineren Hand, ihre Nasenspitze an seiner Nasenspitze. Seine kleinen Seufzer beim Trinken oder Schlafen, vor Wonne und Wohlgefühl. Seine kleine Zunge, die er beim breitesten Grinsen herausstreckt, was für ein Schelm. Und ihre vielen Kinderküsse auf den kleinen Babymund, auf den kleinen Jungen, der so viel Liebe ertragen muss, dass er gar nicht anders kann als wahnsinnig entspannt und zufrieden zu sein. Großartig, diese Kleinigkeiten!

Realitäten

Realities

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Mein Herz zerspringt vor Liebe. Für dieses kleine, wilde Mädchen. Für ihre Worte und Taten, für ihr einfaches Dasein und ihr Lachen und Weinen. Davon gibt es gerade besonders viel, denn eine meiner momentanen unangenehmeren Realitäten während des Wartens auf das Baby ist die Krankheit des kleinen Mädchens. Ausgerechnet jetzt. Aber so muss es wohl sein, ein bisschen Zeit noch allein, ein bisschen Zeit nur für sie. Und da liegt es dann, mein schlafendes Kind, mit einem Arm fest um mich geschlungen und treibt mir die Tränen in die Augen, denn ich liebe sie so sehr. Pathetische, weiche, buttrige Mutterliebe, die bestimmt extra dickflüssig tropft, weil da ein zweites kleines Wesen dabei ist, immer dabei ist, im Bauch, im Kopf, im Herzen. Und mich fordern wird, genau wie sie mich fordert. Jetzt tun es beide schon zusammen – auch eine meiner neuen Realitäten. Ich hoffe so sehr, dass ich noch da bin, wenn alles geschafft ist, wenn wir zu Viert sind. Und mein Herz nicht wirklich zersprungen ist, denn: Wie viel mehr Liebe geht denn da noch? Ich bin gespannt. Und küss mein schönes, krankes Kind.

My heart is bursting with love. Love for this little, wild girl. For her pure existence, her deeds and words and smiles and tears. Those are running a lot at the moment because my child is ill – one of the less practical realities while waiting for a new baby. Now, of all times! But well, I guess it has to be that way, a little time just for us, a little time just for her.  And so she is lying there, my sleeping child, clung to me with her little arm tight around my neck and makes me cry because I love her oh so much. Pathetic, soft, buttery Motherlove which is extra-thick now because of the presence of this second little soul. Always there, in my belly, head and heart. It will challenge me as much as she challenges me. They both already do at the same time – also one of my new realities. I hope so much that I will still be there when we are four. And that my heart will not really have bursted because: How much more love can there be? I am very curious and excited. And off to be kissing my beautiful sick child.