In voller Blüte

In Full Bloom

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Noch entfaltet sich alles ein bisschen, aber bald, ganz bald, stehe ich in voller Blüte. Oder vielmehr mein Bauch. Die Arbeit ist fast getan, die berufliche zumindest, und es fühlt sich gut an, so üppig und breit und frei. Passend zu den letzten Wochen schickt die Natur auch ihre letzte Kraft in die Sonnenstrahlen, die fallenden Blätter und Kastanien und Eicheln. Für mein Herbstkind, das noch ein bisschen wachsen darf. Bis wirklich die volle Blüte erreicht ist.

Everything is still unfolding a little but soon, very soon, I will be in full bloom. Or better to say: my tummy. Work is nearly done and I feel good so voluptuous and big and free. So it fits perfectly that Nature sends it’s last power into the rays of the sun, the falling leaves and chestnuts and acorns. For my autumn-child that still is allowed to grow a little. Until it is in full bloom.

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Jahreszeitenwechsel

Es gibt ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Winter vor der Tür steht. Unausweichlich. Das ist die letzte Fahrt des Jahres mit meinem Roller. Die Fahrt durch die nassen Blätter, mit Handschuhen und einer Strumpfhose unter der Jeans. Die Fahrt, die die Vespa-Saison aus- und den Winterschlaf für mein Gefährt einläutet. In der Werkstatt meines Vertrauens, wo mein Roller neben seinesgleichen im Warmen überwintern kann. Seit Jahren mache ich das nun schon so. Seit Jahren ist es dieser eine Tag, der für mich das Ende des Sommers bedeutet, der Freiheit um die Nase und des Benzingeruchs an den Fingern beim Tanken. Seit mehr als der Hälfte meines Lebens mache ich das schon so, unvorstellbar. So lange ist diese schwarze Wespe schon an meiner Seite. Oder vielmehr unter meinem Po. Und in einem knappen halben Jahr ist sie wieder da! Spätestens. Denn dann gibt es die andere Fahrt. Die Fahrt am Ende des Winters. Nicht dass ich ihn nicht mag, den kalten Gesellen, aber darauf freue ich mich jedes Mal wieder. Und tue es jetzt schon ein bisschen. Gute Nacht, mein lieber Roller. Schlaf gut. Und bis ganz bald! Im Frühling.

Mit großen Schritten

Mit großen Schritten geht es dem Herbst entgegen und der Hochzeit, die die unsere ist. Es ist nicht mehr lang, und es ist nicht mehr weit. Wir sind gespannt und aufgeregt und freuen uns.  Und vertreiben die unangenehmen Begleiterscheinungen der für mich fast schönsten Jahreszeit. Am Besten mit einem kleinen Spaziergang. Der stärkt die Immunabwehr und hilft beim Nachdenken. Über all das Große und Kleine, was da kommen mag. An unserem besonderen Tag.

Herbst im Sommer

Ich weiß, es wird sich schon genug darüber aufgeregt, wie schlecht das Wetter ist, in unseren Gefilden. Und auch wenn ich den Herbst wirklich, wirklich liebe  – ich glaube sogar er ist meine liebste Jahreszeit von allen vieren -, ich hätte jetzt gerne noch ein bisschen Sommer im Sommer. Sonst rückt einem das Leid der Welt und der Politik und der Wirtschaft und der Menschen noch mal viel näher als ohnehin schon. Da braucht es ein bisschen Sonnenschein um die kalten Fakten zu erwärmen. Das wäre so schön.

Zweite Meinung

Der Herbst ist da, und ich kann ihn endlich so richtig genießen! Nachdem mir an seinem Anfang eine Halbdiagnose nicht so schöner Art gemacht wurde, hat sich diese nun durch eine zweite Meinung revidiert. Die Gesundheit ist also nicht so ungesund, wie angenommen. Auf den zweiten Termin habe ich lange gewartet, die richtige Ärztin ist lustiger Weise meine ganz ganz alte, und alles ist (fast) gut. Jedenfalls ist die neue Diagnose papperlapapp nichts gegen den Schrecken, den mir die Erste eingejagd hat. Es ist immer wieder gut, sich eine zweite Meinung einzuholen. Und sich nicht verrückt machen zu lassen. Hausaufgabe für mich: mehr Yoga, mehr Meditation. Ist immer noch nicht genug – scheinbar.

Ps. Und heute morgen hörte ich es auf einmal ganz deutlich, kurz nachdem das helle Licht durch die Kastanie blitzte: „Guten Tag, guten Tag.“

Marienkäfer, flieg!

Es war Frühling. Die Tomate auf unserem großen Balkon hatte viele, viele Blattläuse und mein Bruder und ich sammelten fleißig Marienkäfer in Streichholzschachteln. Für jeden Glücksbringer gab es 10 Pfennig von Mama, und das war viel Geld. Abgesehen von dem Verdienst liebte ich die kleinen roten Käfer mit den schwarzen Punkten. Ich fing sie vorsichtig ein und ließ sie über meine Finger krabbeln, bevor ich schnell mit der Beute in dem Schächtelchen nach Hause lief. Damals glaubte ich auch noch, dass man an den Punkten abzählen könnte, wie alt der Marienkäfer sei. Aber nein, so war das nicht. Das fand ich viel später heraus.

Jetzt ist Herbst. Auf unserem Balkon gibt es keine Blattläuse. Dafür tummeln sich dort viele, viele Marienkäfer. Sie fliegen in Scharen am Fenster vorbei, machen es sich zu Hunderten an der Hauswand gemütlich und lassen sich die warme Herbstsonne auf die kleinen roten Panzer scheinen. Denen geht es richtig gut, sie fressen alles, was ihnen zwischen das schwarze Mäulchen kommt. Sie fliegen mir ins Haar und bleiben darin hängen, fliegen in die Wohnung und suchen sich ein Plätzchen zum Überwintern. Aber nicht mit mir. Es sind zu viele, viel zu viele. Und in solchen Massen wird selbst der schönste Glücksbringer zur Plage. Andererseits: Wie reich wäre ich heute, brächte ich sie alle noch wie damals zu meiner Mutter zur Blattlausbekämpfung. Einen Umzugskarton voll könnte ich ihr bringen und von dem Geld in das Land fliegen, aus dem die Tierchen heutzutage kommen.

Herbst in der Stadt

Das Licht scheint am schönsten in dieser Jahreszeit, finde ich. Macht die Stadt so weich und bunt. Besonders natürlich, wenn die tiefer stehende gelb-orange Sonne raus kommt. Herrlich herbstlich!

Und im Oktober wird zudem ein Fest gefeiert: vor genau 12 Jahren zog ich nach Berlin. Da schien das Licht auch so schön – und ich war ganz frisch verliebt in die Stadt. Vielleicht mag ich den Herbst hier deshalb so gerne?