Wenn einem was in die Hände fällt

An einem grauen, kühlen Wintermorgen lag es direkt vor mir auf dem Bürgersteig – ein kleines, leeres Vogelnest. Bis auf einen Riss fast intakt und immer noch ein großes Kunstwerk. Ganz rund und fein, außen aus Ästchen, innen lagen einst die Eier und Küken weich gebettet auf Haaren und Flaum, zusammengeknüllten Spinnweben oder Watte. Es musste gerade erst herabgefallen sein, vom starken Wind herunter geweht von dem Baum, der mit seinen Kugeln aussah wie eine kleine Platane. Wer hat es wohl gebaut? Wie lange muss der kleine Vogel daran gearbeitet haben? Mit welcher Emsigkeit? Wie viele Eier lagen drin? Sind alle Küken flügge geworden? Wurden hier mal die kleinen Spatzen von ihren Eltern gefüttert, die sich gleich um die Ecke im Sommer beim Eisladen auf die Krümel stürzen? Die frech neben der Kaffetasse sitzen? Ist das ihr Nest gewesen? Ich habe es aufgehoben und vorsichtig in die Hand genommen – passte genau rein. Und aus dem grauen, kühlen Wintermorgen wurde doch tatsächlich ein Tag, der mir viel Glück gebracht hat. Danke, kleiner Vogel.

Ein Drittel Kind

2kidsDie deutsche Durchschnittsjournalistin hat 1,2 Kinder. Mir hat mal jemand erzählt, die Zahl läge bei 0,3, und auch das habe ich ohne Weiteres geglaubt. Vielleicht bezog sich das Drittel Kind aber auch auf freie Journalistinnen, da das kleine Wörtchen „frei“ ja schließlich einen immensen Unterschied zu dem fest angestellten Dasein macht. In dieser aktuelleren Umfrage gibt es keine konkreten Zahlen, hier schon: In mehr als 50 Prozent der Fälle hat die deutsche freie Journalistin keine Kinder. Kommt also dem 0,3 Kind wieder näher.

Wie auch immer, es sieht schlecht aus für die Mütter unter den Publizistinnen. Und ganz besonders für die Mehrfachmütter. Kein Wunder. Immer ein Kind, das krank werden kann, bei zweien noch eins mehr. Und mit der staatlichen Unterstützung sieht es auch nicht besonders gut aus, wenn die Elternzeit vorbei ist. Wenn Auftraggeber verloren oder pleite gegangen sind. Wenn man selbst krank wird. Und der Mann kein Anwalt, Arzt oder andersartig besonders gut verdienender Angestellter ist. Oder man gar keinen Mann hat, das Kind oder die Kinder alleine aufzieht. Und man keine freie Erfolgsjournalistin ist, die zu dem kleinen eingeschworenen Kreis dieser Handvoll in Berlin und Hamburg Zutritt hat. (Oder auch einfach gar keinen Zutritt haben will.)

Ich habe kein Drittel Kind. Ich habe zwei ganze Kinder. 2,0. Und zum Glück den Mann mit dabei. Und ich bin dankbar und glücklich darüber, und träume in vielen Momenten davon, noch mehr von diesen tollen, (rothaarigen,) kreischenden und schnellen Wesen in die Welt setzen – aber eben, wenn ich träume. Denn in den ganz wachen Momenten, in denen muss ich irgendwie sehen, wie ich mit diesen beiden auch noch mein Geld verdiene, in der Flut des Alltags und der Informationen, der Anforderungen und Aufgaben den Überblick behalte und auch keine Panik bei Ebbe bekomme. Mal gelingt das besser, mal schlechter. Bin ja auch noch nicht so lange 2,0-Mama.

So hebe ich also den Durchschnitt an. Egal, ob frei oder nicht. Und für nichts in der Welt würde ich es anders wollen. Auch wenn es gerade nicht so leicht ist.

Am Ende

Die alten Zimmer geleert, die Erinnerungen aufgefrischt und ein Vorhaben nicht eingehalten. So feiern wir zum letzten Mal in diesen Räumen, der alten Dame Reihenhaus, auf dem Müll mehr als gewollt – es ist geschuldet der Zeit – und das Liebste verpackt. Was habe ich alles in den Händen gehalten, schwarz vom Staub, verblasst von den Jahren, aber umso bunter und klarer die Bilder der Erinnerungen dazu. Und so schreibe ich hier doch ein paar Zeilen, etwas Muße ist da. Die Kinder spüren die Aufregung der letzten Tage und vor allem von heute. Das Bild unserer Weihnacht zeigt sich in meinem Kopf wie in einem meiner allerliebsten Kindheitsbücher, das mir auch in die Hände fiel. Das sind wir. Und das sind wir, ein bisschen tatsächlich.
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So schiebt sich Neues über Altes, Versprechungen wurden Erfüllungen und auch wenn so manches zu Ende geht, Abschied genommen wird, trägt das Jetzt, das Wachsende und Neue das Vergangene, Schrumpfende und Alte. Erstaunlich. Familie. Immer wieder. Und was für ein Glück, Eltern und Kinder zu haben.
Schöne Weihnachten!

Er und ich

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Wir haben schon ganz schön viel miteinander erlebt. Dabei ist er erst 9 Tage alt. Wir brauchten ein bisschen, um zu landen. Dabei hat ein Tag nur 24 Stunden. Aber zum Glück ist zwischendrin ganz viel Platz für noch mehr Liebe, Milchspuck, Babyatem, Geseufze und Geöff, feinsten Geruch und Geschwisterliebe, neue Wege und aufwühlende Gefühle. Da ist ein neuer kleiner Kerl in unserem Leben, und er ist wunderbar!

Großes Glück

Foto: Sandra Hermannsen

Wir flittern eigentlich gar nicht mehr. Aber schweben dennoch auf Wolke 7. Was für ein Glück, dieses Glück! Die Tage davor, die Tage selbst natürlich und jetzt die Tage danach. Ich hätte nie gedacht, dass Heiraten so glücklich macht! Auf diese, absolut unsere Weise zu heiraten, und vor allem, diesen großartigen Mann zu heiraten! Was für ein Glück! Mit diesen Gästen und diesen Helfern. Diesen Trauzeugen. Und diesen Eltern. Von Vorne bis Hinten war es eine perfekte Feier, aber auf angenehme Art, wie meine Trauzeugin E. so wunderbar formulierte. Und wir hatten wirklich mit allen großes Glück. Auch mit den supporting acts. Alle haben einen Oscar verdient! Angefangen von unserer Goldschmiedin Amely Späth von Julia und Amely, meiner Schneiderin La Petite Marie, über meinen Friseur, der um 8 Uhr bereit stand, recherchiert hatte, und mir dann dieses Wunder auf meinem Kopf quasi schenkte, über die Floristin von Blumen Creativ, die genau verstanden hatte, was ich wollte, und so was von wunderbar umsetzte, unseren tollen Pastor, unseren Caterer Hendrik Fenner von Geschmacksdealer, der zufällig als Pächter in unsere Traumlocation gezogen war, unsere Hochzeitstorten-Bäckerin von Projekt Puderzucker (das ist unsere Torte von ihr! Fehlt nur noch die Wimpelkette obendrauf), unsere liebe Freundin N., die die Kinder so phantasievoll betreut hat, unsere beiden feinen DJs und nicht zuletzt unsere unglaublich grandiose Fotografin Sandra Hermannsen! Was hatten und haben wir für ein großes Glück!!!!! Ach so, und dann natürlich nicht zu vergessen die Sonne, den Vollmond, die Schwäne auf der Havel und und und… Ich schwebe mal ein bisschen weiter.

Und es lohnt sich eben doch

Wie wunderbar, wenn sich aller Aufwand lohnt. Den Möhrenkuchen noch am Abend gebacken, das Wohnzimmer und die Küche noch aufgeräumt, abgewaschen und das Mehl vom Boden gewischt. Viel zu spät ins Bett gegangen. Damit der Osterhase seine Eier verstecken kann, dem ist es nämlich trotz Sonnenschein wirklich zu kalt so früh am Morgen da draußen. Und damit sich das Kind erfreut, bei jedem einzelnen Ei und jedem einzelnen Käfer, die es findet. Wie wunderbar, wenn dann auch noch das Puppengeschirr so gut ankommt, dass man sich zurück erinnert und am liebsten selbst wieder Kind sein will und Luftkakao trinken und Luftmilch nachschütten. So wird man das eben einfach, trinkt mit und schüttet mit und wird bedient, genau wie die Puppe und die Kuscheltiere, und die finden das auch ganz wunderbar. Jetzt bin ich zwar etwas müde, aber sehr, sehr glücklich. Und dankbar. Und freue mich auf den Möhrenkuchen. Hab ja nur Luft im Bauch.