Meine Freundinnen. Oder: Heimweh

Wir kennen uns schon so viele Jahre, teilen so viele Momente, Erlebnisse, Gefühle. Seit wir elf Jahre alt waren, gingen wir auf eine Schule, wurden später Sprengsel einer Outsider-Clique. Sehr enge Freundinnen, die sich nie aus den Augen verloren. Nicht nach dem Abitur, als einige von uns ins Ausland gingen, nicht während des Studiums und nicht mit all den Lieben, die da kamen und gingen in unseren Leben. Wir blieben. Viel mehr noch, trotz meiner nun fast 17 Jahre in Berlin, sind wir uns immer noch näher gekommen. All die Jahre haben uns nicht auseinander- sondern zusammen getrieben. Uns, unsere Familien, unsere Männer, unsere Kinder. Ihnen kann ich alles erzählen, alles sein, was ich bin, ohne Sorge zu haben, dass sie mich falsch verstehen. Ich liebe sie, so, wie man Freundinnen nur lieben kann, die so lange miteinander durchs Leben gehen. Sie sind der Hauptgrund für mein Heimweh nach Köln. Das jetzt wieder besonders schlimm ist, schon wieder. Es gibt Monate, die vergehen, und die sind gut und voll, in denen geht mir die Distanz nicht so nahe, da reicht ein Telefonat oder gar ein Wiedersehen ein paar Monate später. Dann aber gibt es Monate, die könnten leerer ohne sie nicht sein. Da backe ich einen Kuchen und will nur sie einladen, niemand anderen sonst. Weil niemand anderer sonst so ist wie sie. Weil ich mich niemand anderem sonst so wenig erklären muss, weil sie so viel wissen. Und ich über sie. Weil niemand anderer sonst mich auf Fotos aus Jugendtagen so rührt und bewegt, weil niemand anderer sonst für mich auf diese Art schön ist wie diese drei. Und weil niemand anderer sonst jemals einen Film für mich gemacht hat. Und dann noch so einen! Ihr seid das Größte, J. und S. und E. Danke, dass Ihr da seid. Immer.

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Der erste Hund

Am Sonntag haben wir mit Freunden und ihrem Hund Elly einen Ausflug gemacht. Es war das erste Mal, dass unsere fast zwei Jahre alte Tochter L. – das kleine, verrückte Mädchen – auf die Jack-Russell-Hündin stieß. Wir waren alle ein bisschen nervös – hätte gar nicht sein müssen. Die beiden rothaarigen Damen verstanden sich prächtig.

Hund lief voraus, Kind fuhr mit dem Wutsch hinterher, die eine durch die Sträucher, die andere wollte auch da lang. „Elly, Elly, Elly“ rufend. Es war ein anderer Rhythmus zuweilen, aber die beiden haben das ganz wunderbar gemacht. Vor allem, als das kleine Mädchen – mittlerweile nicht mehr so verrückt, sondern ganz, ganz müde – den kleinen Hund an der Leine führte, aus ihrem Buggy heraus. Sie war stolz wie Oskar!

Abends haben wir dann noch ein bisschen erzählt von Elly und dem Tag, der sehr schön war. Das fand das kleine, müde Mädchen auch – und schlief ein.

Am nächsten Tag lasen wir ihr Feuerwehr-Buch. Darin wird auch ein kleiner Hund gerettet, der sehr nach einem Jack Russell aussieht. Von nun an hieß er Elly.

Gestern morgen dann malte L. an ihrem Tischchen ein Bild, wie sie das sehr oft tut. Kritzel und Kreise, mit Buntstift und Wachsmalern. Sehr bunt. Aber eben bisher noch nie benannt oder näher bezeichnet. Wir haben auch nie gefragt. Jedenfalls sagt sie auf einmal „Elly!“ Und malt noch ein bisschen. Sagt wieder: „Elly!“ Ich gehe zu ihr hin und sage: „Ah, Du malst Elly?!“ „Ja!“, sagt L. stolz und zeigt auf die paar roten Flecken auf dem Blatt.

Das ist also Elly. Ihr erster Hund.

Bist Du aber groß geworden!

blickausbad3Drei Wochen später. Aus den kleinen Blättchen und Knospen sind volle, pralle Blätter und manchmal sogar schon Blüten geworden. „Bist Du aber groß geworden!“, sagte ich heute morgen zu dem Baum vor meinem Badezimmerfenster. „Und Du auch!“, raunte ich dem Nachbarbaum zu, der den Blick zu den Nachbarn nun vollends versperrt. Sehr praktisch übrigens, wenn man in der Badewanne liegt, das Fenster offen hat und in die Bäume schauen kann, ohne von irgendwem gesehen zu werden.

Sechs Jahre später. Das wurde uns vieren gestern bewusst, als wir nachrechneten, wie lange wir uns in dieser Konstellation nicht mehr gesehen hatten. Vier Frauen, die mal vier Mädchen waren und zusammen studierten, ganz am Anfang in Berlin. Und in eine riesige Wohnung in Prenzlauer Berg zogen, wo die letzten beiden von uns erst acht Jahre (!) später wieder auszogen. Es war eine lange Zeit, und es war eine wichtige Zeit. Eine schöne und eine schmerzhafte Zeit. Wie alles. „Seid Ihr aber groß geworden“, habe ich dann gestern auch gedacht, als ich mir da diese drei auf meinem Balkon angesehen habe, und mein Herz wurde ganz warm, vor Zuneigung oder Familiengefühl oder keine Ahnung was, wahrscheinlich einfach, weil sie alle so tolle Frauen sind. Schon immer waren, aber noch mehr wurden. Sehr, sehr schön war das. Danke I., J. und K.!