Keine Ruhe

notizenManchmal hilft nur Schreiben. In das schöne Buch von meiner lieben Freundin E. Eine meiner besten Freundinnen, die mich gerade mit ihrem Besuch mitsamt den beiden Kindern und ein bisschen beglückt hat. Abgelenkt hat von den Sorgen und den Ängsten, die die kleine doofe Diagnose des kleinen Herrn M. mit sich gebracht haben. Da sieht man jeden Tag wieder was Neues und liest wieder was Neues und denkt wieder was Neues und macht sich solche Sorgen und hat die blödesten Ängste, wie es noch wird, wie wir das schaffen, wann es vorbei ist, ob es vorbei ist, wie es ihm dabei geht, wie es ihm dabei gehen wird, wenn er krank ist und bleibt und wir keine Lösung finden. Alles nicht so schlimm, sagt die innere Stimme auch immer mal wieder. Und: Es gibt viel, viel Schlimmeres. Ja, das stimmt. Aber dennoch sind sie da, die Sorgen und Ängste. Und eben die Diagnose, die aber ja auch wieder verschwinden kann. Kann – aber nicht muss. Soll – aber nicht sicher wird. Und so weiter und so fort. Keine Ruhe, fast nirgends. Nur in diesen Momenten der Besinnung und des Schreibens, in dieses schöne Buch von meiner schönen Freundin. Danke E., dass Ihr da ward. Und für Alles!

Bye bye Berlin

byebye1 byebye2Eigentlich dachte ich ja, würde ich diese Worte erst benutzen, wenn wir mal eine Abschiedsfeier machen. So stand es es dann in meiner Vorstellung auf der Einladung: Bye bye Berlin. Und so wird es vielleicht auch irgendwann mal sein. Aber jetzt habe ich diese Worte benutzt, weil meine Freundin A. mit ihrer Familie aus Berlin weg gehen wird. Und eine Abschiedsfeier macht.

Gestickt und gestempelt auf Herzchenstoff, rein in einen Stickrahmen, Tränchen drauf, Bändchen dran, fertig!

„Bye bye Berlin. Wir lieben Dir weiterhin!“

Alles Gute, liebe A. für den Schritt raus, das wird toll! Und einen Koffer lasst Ihr ja eh noch hier. Berlin rennt nicht weg.

Meine Freundinnen. Oder: Heimweh

Wir kennen uns schon so viele Jahre, teilen so viele Momente, Erlebnisse, Gefühle. Seit wir elf Jahre alt waren, gingen wir auf eine Schule, wurden später Sprengsel einer Outsider-Clique. Sehr enge Freundinnen, die sich nie aus den Augen verloren. Nicht nach dem Abitur, als einige von uns ins Ausland gingen, nicht während des Studiums und nicht mit all den Lieben, die da kamen und gingen in unseren Leben. Wir blieben. Viel mehr noch, trotz meiner nun fast 17 Jahre in Berlin, sind wir uns immer noch näher gekommen. All die Jahre haben uns nicht auseinander- sondern zusammen getrieben. Uns, unsere Familien, unsere Männer, unsere Kinder. Ihnen kann ich alles erzählen, alles sein, was ich bin, ohne Sorge zu haben, dass sie mich falsch verstehen. Ich liebe sie, so, wie man Freundinnen nur lieben kann, die so lange miteinander durchs Leben gehen. Sie sind der Hauptgrund für mein Heimweh nach Köln. Das jetzt wieder besonders schlimm ist, schon wieder. Es gibt Monate, die vergehen, und die sind gut und voll, in denen geht mir die Distanz nicht so nahe, da reicht ein Telefonat oder gar ein Wiedersehen ein paar Monate später. Dann aber gibt es Monate, die könnten leerer ohne sie nicht sein. Da backe ich einen Kuchen und will nur sie einladen, niemand anderen sonst. Weil niemand anderer sonst so ist wie sie. Weil ich mich niemand anderem sonst so wenig erklären muss, weil sie so viel wissen. Und ich über sie. Weil niemand anderer sonst mich auf Fotos aus Jugendtagen so rührt und bewegt, weil niemand anderer sonst für mich auf diese Art schön ist wie diese drei. Und weil niemand anderer sonst jemals einen Film für mich gemacht hat. Und dann noch so einen! Ihr seid das Größte, J. und S. und E. Danke, dass Ihr da seid. Immer.

Treppe ins Paradies

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Himbeeren direkt vom Strauch in den Mund, Kirschen, so süß wie das kleine Mädchen, das überglücklich im Sandkasten spielt, Matschepampe macht und planscht, um zwischendrin Beeren zu pflücken und mit rotem Mund weiter zu buddeln. Dazu Sonne, eine Liege, lecker Essen von Mama/Oma und ganz viel Liebe für alle. Auch dank der Herzensfreundinnen. Hach, ich mag es so in meiner alten Heimat und vor allem in dem kleinen Paradies, die Treppe runter.

Hör auf Dein Herz

Mir blutet das Herz. Bei jeder einzelnen Absage, weil schon ein Urlaub geplant oder eine andere Hochzeit zugesagt. Mir blutet das Herz ganz besonders bei meinen Herzensfreundinnen, von denen es ja nu auch nicht so viele gibt. Es ist nicht so ein leichtes, mit einer Hochzeitsfeier, die „nur“ ein halbes Jahr vorher geplant ist. Das scheint eigentlich nicht zu gehen, das ist eigentlich schon zu spät. Aber wie es so ist, auf einige Absagen, die mich so traurig machen, folgen ein paar Zusagen, die mein Herz wieder hüpfen lassen, und zwar nicht vor Schmerz. Außerdem sind wir so weit, und das ist ja die Hauptsache. Da ist – nach einigem Hin und Her – ein Verschieben, ein späteres Feiern nicht mehr möglich. Wir machen das jetzt! Das sagt unser Herz.

Viele Herzen gibt es auch bei dieser unglaublich Detail-verliebten britischen Hochzeit von Sarah und Gray. Gefunden auf dem tollsten Hochzeitsblog ever: Rock N’Roll Bride von Kat Williams.

Alte Freunde

Es gibt sie, diese Momente. In denen die Erinnerungen hoch kommen und ein bisschen weh tun. Denn es sind Erinnerungen an vergangene Zeiten, an alte Freunde, die heute keine mehr sind. Erinnerungen, die das Herz dennoch schwer machen. Weil sie mal so viel wogen, die Freundschaften. Aber es ist so, man verliert sich, findet Neues, neue Freunde. Alte Freunde gehen, gehen aus dem Leben, die Kreise werden größer und treffen sich nicht mehr, da ist keine Schnittmenge mehr. Jetzt verstehe ich Mathe.

Es gibt sie, diese Momente. In denen die Bilder hoch kommen, die das ausmalen, was jetzt wäre, wenn man sich träfe. Wäre es schön? Wäre es ein gutes Wiedersehen? Könnte man über die fehlende Schnittmenge hinwegsehen, diesen Moment, in dem die Kreise auseinanderdrifteten? Ginge es ohne Vorwürfe? Ach, so viele Konjunktive.

Dann sitze ich da, denke nach und überlege, ob ich demjenigen schreiben sollte. Schreiben sollte, was man fühlt, woran man hängt, was einem fehlt und wie traurig man ist, dass der eine kein Interesse mehr am Leben des anderen hat. Und andersherum. Aber dann geht einem auf, dass es nur um Vergangenes geht, dass da kein Jetzt mehr ist. Weil es alte Freunde sind. Und dann schreibe ich keinen Brief.

Ich habe den richtigen Weg noch nicht gefunden, die alten Freundschaften, die nicht mehr im Jetzt leben, weg zu packen. In ein Kistchen vielleicht, verziert mit Schleifen und Bändchen, gefüllt mit Fotos und eben jenem Brief, den es mich juckt, zu schreiben.

Es gibt sie, diese Momente. Momente, in denen die Erinnerungen hoch kommen und ein bisschen weh tun.

Aber sie gehen auch wieder vorbei.