hello 2016

hello2016

Hello 2016, da bist Du ja, kommst mit ein bisschen Kälte, Schnee und Ruhe auf dem Land daher, in der Stadt tobt der Wahnsinn, in den Köpfen auch, was passiert da bloß, zu viel schlechte Nachrichten, unglückliche Aufeinandertreffen, die die falschen Stimmen wieder lauter schreien lassen werden, die eine alte Problematik ans Licht bringen, Frauen sind kein Freiwild verdammte Scheiße, was sollen wir bloß unseren Töchtern sagen, wie sollen sie sich wappnen für diese Welt, mit einem Schwachsinnssatz wie #einearmlänge, hello? Meine Gedanken sind bei den Frauen, die schutzlos einem gewalttätigen Männer-Mob ausgeliefert waren, die das neue Jahr entwürdigend und voller Angst erleben mussten, aber auch bei den völlig überforderten und zu wenigen Polizisten sowie den Flüchtlingen, die jetzt noch schiefer angeguckt werden. Köln, ich denke an Dich. Und hoffe das Beste.

Für alles andere: Auch.

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Sie hat mich berührt

Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht das Gespräch am vorigen Tag mit einer entfernten Bekannten, die für ein paar Stunden ganz, ganz nah war. Ihr Aussehen, das mich an eine meiner liebsten und schönsten Freundinnen erinnert. Die Antworten der Frauen, die sie interviewt, und die aus ihrem Hollywood-Dasein heraus zu brechen scheinen, einfach Mensch sind, Frau sind. Ich weiß es nicht. Aber Amanda de Cadenet hat mich berührt. Mit ihrer Show „The Conversation“. Da ist mir sogar Lady Gaga auf einmal nah gewesen, auf diesem Sofa, in diesem Raum. Da hat mich Portia de Rossi ergriffen, als sie von ihrer Essstörung spricht, die auch ich damals bei Ally McBeal mitansehen konnte. Und Tom Hanks Frau Rita Wilson, die ausnahmsweise nicht dem Botox-Wahn verfallen ist und zu ihren tiefen, schönen Lebensfalten steht. Am Ende der Show standen mir die Tränen in den Augen. Ja, sie hat mich berührt.

Ladies‘ night

Alle paar Monate treffen wir uns, die Ladies von der Arbeit, die wir mal waren. Schon in der Redaktion war der Tag ein besonders Guter, wenn eine der anderen mit dabei war. Der Kaffee schmeckte besser, die Sprüche des Kollegen wurden besonders spitz gekontert, das Schreiben machte mehr Spaß und der Feierabend war nicht ganz so sehr herbei gesehnt wie an den anderen Tagen. So wenig Konkurrenz und Missgunst unter weiblichen (freien) Kolleginnen habe ich selten erlebt. Dann ging eine von uns, und ich wurde schwanger und ging auch – in Elternzeit.

Doch schon ein paar Wochen nach der Geburt meiner Tochter wurde eine Ladies` night einberufen – meine Lesung. Es waren zwar auch ein paar Männer dabei – gar nicht so wenige – aber die Kolleginnen und Ex-Kolleginnen hatten ziemlich viel Spaß an diesem Abend und brachten mit ihrem Charme und ihrem Lachen den ganzen Raum zum Strahlen. Ich spürte auch ein wenig ihren Stolz auf mich, und das machte mich noch mehr staunen über sie. Sie feierten später woanders weiter, auf mich wartete das Baby. Aber seitdem treffen wir uns alle paar Monate, die Ladies von der Arbeit, die wir mal waren. In Kneipen in Kreuzberg oder Prenzlauer Berg wird sich ausgetauscht, bestärkt und bestaunt, manche rauchen, manche trinken, alle lachen. Und es ist wunderbar!

So wie gestern, als wir die kalte Raucherlounge mit unseren Erzählungen erwärmten. Danke Ladies. This one’s for you!

Bist Du aber groß geworden!

blickausbad3Drei Wochen später. Aus den kleinen Blättchen und Knospen sind volle, pralle Blätter und manchmal sogar schon Blüten geworden. „Bist Du aber groß geworden!“, sagte ich heute morgen zu dem Baum vor meinem Badezimmerfenster. „Und Du auch!“, raunte ich dem Nachbarbaum zu, der den Blick zu den Nachbarn nun vollends versperrt. Sehr praktisch übrigens, wenn man in der Badewanne liegt, das Fenster offen hat und in die Bäume schauen kann, ohne von irgendwem gesehen zu werden.

Sechs Jahre später. Das wurde uns vieren gestern bewusst, als wir nachrechneten, wie lange wir uns in dieser Konstellation nicht mehr gesehen hatten. Vier Frauen, die mal vier Mädchen waren und zusammen studierten, ganz am Anfang in Berlin. Und in eine riesige Wohnung in Prenzlauer Berg zogen, wo die letzten beiden von uns erst acht Jahre (!) später wieder auszogen. Es war eine lange Zeit, und es war eine wichtige Zeit. Eine schöne und eine schmerzhafte Zeit. Wie alles. „Seid Ihr aber groß geworden“, habe ich dann gestern auch gedacht, als ich mir da diese drei auf meinem Balkon angesehen habe, und mein Herz wurde ganz warm, vor Zuneigung oder Familiengefühl oder keine Ahnung was, wahrscheinlich einfach, weil sie alle so tolle Frauen sind. Schon immer waren, aber noch mehr wurden. Sehr, sehr schön war das. Danke I., J. und K.!