Einfach mal den Stecker ziehen

heartbook by lManchmal will ich einfach den Stecker ziehen. Wenn das eine Kind krank und das andere quengelig ist, wenn sich die Ablage auf dem Schreibtisch über die Ablage stapelt und das Bad aussieht wie ein Dachboden. Wenn es sich so anfühlt, als würden alle anderen ihr Leben prima in den Griff kriegen, nur bei einem selbst rumpelt und hakt es. Wenn man unfair wird und unfair denkt und so gerne fair wäre, aber es eben in diesem Moment nicht kann. Wenn man das Gefühl hat, dass man jetzt einfach gar nichts kann. Kein Kind beruhigen, keine Stapel abarbeiten, kein Zimmer putzen (und natürlich gar keinen Dachboden haben), keinen klaren Kopf behalten, kein gar nichts. Nur den Stecker ziehen. Bitte einen Moment. Jetzt. Zack.

(Foto: Artwork „HeartBook“ by L. Hennebach)

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Grau. Oder grow?

grauEs gab ein paar Tage, da war alles grau. Grau, grau, grau. Die Krankheiten, die hier nicht enden wollen, die kleine doofe Diagnose des kleinen Herrn M., die das Grau schon fast Schwarz schimmern ließ, Paris, die es noch schwärzer machte, die Bindfäden und das Dunkel vom Himmel, furchtbare Nachrichten in der engeren Umgebung, das Weinen des kleinen Jungen in der Kita und die eigene Ungeduld mit mir selbst, meinen Kindern, meinem Mann, dem ganzen Leben. Grau, grau, grau. Und da legte ich es dann, das Grau aus Türkis, einer der schönsten Farben überhaupt, so türkis wie das Meer oder ein Sommerhimmel, Türkis auf Grau, Wolle auf Wolle, grau. Und siehe da, aus dem grau wird ein grow, oder sehe das nur ich? Und wenn es so ist, so spüre ich doch jetzt, ein paar Tage später, dass grau auch grow sein kann. Wird schon.

Besetzt

Ich hatte es ein bisschen vergessen. Wie sehr man besetzt ist. Wie wenig man schafft, was man vorher so unter Schaffen verstanden hat, und wie wenig der Alltag mit einem Neugeborenen, einem Säugling, einem Baby dem Alltag ohne einem solchem gleicht. Ich hatte aber auch vergessen, wie wunderbar es ist. Wie wunderbar sich dieser weiche, kleine Nacken anfühlt, das zarte Haar, von denen einige noch auf seinen Öhrchen sind. Und die ich besonders liebe. Wie warm der kleine Kopf ist, wenn man sein Kinn sanft darauf legt und welche Hitze der ganze Körper abgeben kann, so eng vor einem gebunden. Wie großartig dieses Lachen ist, dieses kehlige, quietschende und ansteckendste aller Lachen, wenn mein Haar ihn kitzelt oder wenn man ihn fliegen lässt. Es ist so schön – und auch so anstrengend zugleich. Deshalb geht es hier auf dem Blog noch ein bisschen ruhiger zu als ohnehin schon – das reale Leben braucht mich gerade voll und ganz, ich bin einfach komplett besetzt. Und weiß jetzt schon, wie sehr es mir fehlen wird, wenn es weniger wird. Denn es ist doch eine ganz besondere Zeit, diese Baby-Zeit.

Stütze

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Manchmal braucht es eine Stütze. Einen starken Arm. Die richtigen Worte, Blicke, Gesten. Wenn etwas nicht so läuft wie erwartet oder erhofft. Erwünscht. Dann gibt es nichts Schöneres als die richtige Stütze zur richtigen Zeit, die sich ein bisschen falsch anfühlt. Die Zeit, nicht die Stütze. Denn die ist genau richtig. In einer Zeit, in der man es gerade nicht schafft, selbst aufrecht zu sein, selbst seine Pracht und Blüten nicht tragen kann, die man ja hat. Danke S., dass Du mich stützt. Und mir blühen hilfst.

Working Mum

Zurück im neuen, alten Alltag, der irgendwie gleich ist und doch ganz anders. In der Redaktion ist es wie immer – aber ich bin es nicht. Zumindest ein Teil von mir. Ein Teil von mir ist zuhause geblieben, sitzt morgens noch weiter am Tisch, verbringt den Tag mit dem Kind. Das auch ein Teil von mir ist. Das Teil von mir bleibt da morgens zusammen mit ihrem Papa, der jetzt den Wundertag mit dem Wunderkind verbringt, das für mich gerade an diesen Arbeitstagen ausschließlich ein solches ist, wenn ich es nur morgens und abends etwa eine bis zwei Stunden zwischen dem Schlafen erlebe (puuh, etwas schwurbelig…) Den Rest stelle ich mir manchmal vor, wenn ich gerade Leerlauf habe oder Mittagspause oder durch die Gänge laufe, im Fahrstuhl fahre, kurz mit den Gedanken abschweife. Ich bin nicht so wie immer. Zum Glück!

Aber dann passiert doch auch das schier für unmöglich Gehaltene: ich vergesse den neuen Teil, der ich jetzt auch bin. Und bin wieder nur ganz die Alte, feile an einem Satz, lese die Agenturen, denke über eine Nachricht nach. Eine halbe Stunde lang, vielleicht sogar eine, es waren auch schon zwei, vielleicht. Auch spannend: So ist das also, als Working Mum. Ich muss mich noch rein finden, ein bisschen wird es noch dauern, es ist anstrengend und ermüdend und traurig manchmal, und dann auch aufregend. Aber wir kriegen das ziemlich gut hin, wir drei. Ich bin stolz! Auf meinen Liebsten, unser Kind und mich. Auch gut.