#Weltbienentag: Staatsbesuch mit Kids

Alltagsphantasien anregen, Märchen variieren, ein leeres Haus erkunden, ökologische Zusammenhänge erfassen: Wie Schulen und Kindergärten sich dem Thema Biene widmen

Mein Artikel zum Weltbienentag am 20. Mai 2021, erschienen in der taz, Fotos von Marie Fröhlich/ Stadtbienen

„Für Kinder ist das eine ganz eindrückliche Erfahrung, wenn da ein Bienenstand steht, der riecht und vielleicht noch warm ist. Das ist, als ob man ein leeres Haus betritt, und das ist ja auch total spannend. Und dann fühlt man mit dem Finger eine Wabe, die leicht bricht, kann etwas süßen Honig kosten, und dabei spürt man dieses Leben, das darin stattfindet – und es ändert sich etwas. Es ändert sich die Sicht auf diese Tiere und somit auch die Beziehung zur Umwelt.“ Wenn Marco Elischer, Pädagoge bei proBiene aus Stuttgart, von seinen Erfahrungen mit „Biene zu Besuch“ aus Kitas und Grundschulen erzählt, dann riecht man förmlich den Wachs und hört das Summen der Bienen. Das ist das große Geheimnis oder die Chance, die in der Biene als Botschafterin für Umweltthemen in Kindergärten und Schulen steckt: Lernen mit allen Sinnen.

Kinder sind als forschendes Ich offener und neugieriger als Erwachsene, jetzt machen sie die prägenden Erfahrungen ihres Lebens und erleben sich selbst als wirksam und bedeutend, auch wenn es um die Möglichkeiten geht, zu einem nachhaltigen Leben beizutragen. „Besonders passend ist das Konzept der Alltagsfantasien in Kindertageseinrichtungen. Kinder sind mitten im Erlernen der Metaphern und Symbole ihrer Gesellschaft. Die Kita kann ein Ort sein, an dem sie ihre Beziehung zur Umwelt entdecken und weiterentwickeln“, sagt Elischer. ProBiene, das Freie Institut für ökologische Bienenhaltung, arbeitet mit einem Methodenkoffer, der je nach Altersgruppe und Gruppengröße verschiedene Materialien, Ideen und Anleitungen enthält, aus denen sich Päd­ago­g*in­nen das für sie Passende aussuchen können, um die Biene kennenzulernen.

Bei „Biene zu Besuch“ kommt Elischer für 90 Minuten in die Einrichtung und bringt den Kindern über einen ästhetischen und kreativen Ansatz das Leben der Biene näher, den imkerlichen Part übernimmt proBiene-Gründer Tobias Miltenberger. Da werden dann etwa Wachskerzen gerollt, es wird das umgeschriebene Märchen „Die Bienenkönigin“ vorgelesen oder ein Spiel gespielt, bei dem die Kinder die Rollen der Bienen in einem Bienenstock ausprobieren können – und so erfahren sie spielerisch, was eine Gruppe ausmachen kann. Die Kleinen lernen die Biene über die Methodenbroschüre „Das Bienenjahr mit Kindern gestalten“ und Ausmalbilder kennen. Mit den Größeren geht es auch mal in den Supermarkt für eine übergeordnete ökologische Perspektive, welche Produkte es ohne die Biene gar nicht geben würde. „Wussten Sie zum Beispiel“, fragt Elischer, „dass manche Gummibärchen für den Glanz mit Bienenwachs überzogen werden?“ Abgerundet wird all das durch einen Besuch bei den Bienen selbst – oder mit dem Aufbau eines eigenen Bienenstandes auf dem Gelände der Einrichtung. „Denn die Bienen wirklich wahrzunehmen, ist am Ende immer elementar für die Erfahrung“, so der Bienenpädagoge.

Neben den Broschüren und Bildern von proBiene, dem Bienenkoffer von Deutschland summt! von der Stiftung Mensch und Umwelt, den es als Version für den Kindergarten und für die Schule gibt, und der etwa mit einer Schaukugel mit Bienenwabe, einem Schaukasten mit Bienenprodukten und Honigbienen, mit Lupen oder Blüten bestückt ist, gibt es zum Beispiel auch die „Biene und Bil­dung“-Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufen I und II der Aurelia Stiftung für den theoretischen Hintergrund. „Am schönsten ist es aber, zu den Bienen zu gehen und vor Ort dieses Fühlen und Schmecken und dieses Erleben zu haben. Fast überall findet sich dafür auch regio­nal eine Imkerin oder ein Imker, die mit den Kindern an den Bienenstand geht“, sagt Elischer. Der Verein Mellifera etwa bringt auch mit dem Programm „Bienen machen Schule“ Päd­ago­g*in­nen und Im­ke­r*in­nen zusammen, die im Kindergarten oder Schulunterricht und anderen pädagogischen Einrichtungen sowie im Imkerverein Bildung mit Bienen machen.

Gerade jetzt im Mai fliegen die neuen Bienenvölker in ihre Beuten auf fünf Schulstandorten in Berlin, die von den „Stadtbienen“ im Rahmen des Umweltbildungsprogramms „Kita- und Schulbienen“ betreut werden. Päd­ago­g*in­nen haben Imkerkurse besucht und werden vor allem in der Anfangsphase im Umgang mit den Bienen noch von Im­ke­r*in­nen betreut. Und nach den Sommerferien starten dann die Bienen-AGs, in denen die Kinder Imkern und mit den Bienen wichtige ökologische Zusammenhänge lernen können. Projektleiterin Julia Eisenberg von Stadtbienen erklärt: „Das Programm ist so angelegt, dass wir die Kinder zu phänomenologischen Beobachtungen anleiten. So setzen sie sich mit ihrer Umwelt auseinander und finden Zugang zum Bienenkosmos, den sie jetzt neu entdecken, erforschen und somit immer besser verstehen. Das hat viel mit Wertschätzung und Achtsamkeit für die Natur zu tun – und das geht auch mitten in der Stadt.“

Es sind die kleinen großen Dinge

Der Blick in die Kastanie vor dem Schlafzimmerfenster, die Holzdielen mit den vielen Astlöchern und die gelben Stühle auf dem Balkon. Überhaupt der Balkon…

Es sind die kleinen großen Dinge, die mir fehlen werden, wenn wir hier ausziehen. Hier, aus dieser Straße mit quietschenden Straßenbahnschienen und mittlerweile groß gewachsenen Bäumen, hier, aus diesem Haus, das eine sehr besondere Gemeinschaft hatte und hier, aus dieser Wohnung, in der ich die längste Zeit meines Lebens gelebt habe.

In der meine Kinder nicht direkt geboren aber doch von Anfang an aufgewachsen sind. Ihre ersten Schritte gemacht haben, ihren ersten Brei gemanscht, ihr erstes Bad auf dem Balkon genommen, ihre ersten Wörter gesprochen haben.

In der ich jede einzelne quietschende Diele kenne und mich auch zurecht finde, wenn es stockdunkel ist. In der der Blick aus dem Bad unschlagbar ins Grün geht, das ich über so viele Jahreszeiten beobachten konnte. Mal war das Fenster komplett verdeckt, im Winter ging der Blick weit durch die Bäume hindurch in die hell erleuchteten Fenster des Hauses in der Querstraße.

Es sind die kleinen, großen Dinge, die mich jetzt schlucken lassen, wenn ich mir klar mache, dass es die letzten Male sind, in denen ich sie ansehe, wahrnehme, spüre, rieche, höre. Die Stille in der Nacht, obwohl wir mitten in der Stadt sind. Die Musik von unten, wenn der Nachbar leise probt. Der frisch geputzte Flur jeden Mittwoch. Die spielenden Kinder im Hof.

Nächsten Monat ziehen wir aus. Nach 11 Jahren – wegen Verdrängung mehr oder weniger unfreiwillig. Und mit vielen kleinen und großen Dingen im Gepäck und im Herzen.

Es gibt Eis, Baby

Eistorte.JPG

Man nehme eine Autorin mit dem Auftrag, über selbstgemachtes Eis zu schreiben. Eine Autorin mit Hang zu Leckereien und persönlichen Herausforderungen. Man nehme einen Kindergeburtstag mit dem Motto „Harry Potter“ und die Frage nach dem Kuchen des Tages. Man nehme außerdem die wunderbare Linda Lomelino, einen gut sortierten Küchenartikel-Laden in Prenzlauer Berg und ein Tiefkühlfach, in das eine Menge rein passt. Heraus kommt dieser Artikel und diese Eistorte oben. Mit Zauberhut. Fanden die kleinen Hexen und Magier übrigens hübscher als lecker. Dafür freuten sich die Älteren. Blieb mehr für sie übrig. War nämlich köstlich.

Rezept und Buchvorstellung folgen!

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Ein Fest für J. – und ein Vorhaben

j_vorbereitungenJ. oh J., was bist Du für ein tolles Partygirl, hast Deine Gäste mit einem „Alles-lacht“-Gesicht begrüßt, in der Kälte ausgeharrt, im Rampenlicht gestanden und den feierlichen Akt ohne mit der Wimper zu zucken mit großen Augen wahr genommen, hast gegessen und getrunken – Dir ganze Brotscheiben mit solcher Wonne zu eigen gemacht, als wäre es das feinste Essen auf der Welt -, hast mit den Beinen gewippt und dem Oberkörper getanzt. Hast ganz unauffällig ein Schläfchen hier und ein anderes da gemacht, hast nach dem Aufwachen wieder alle bezirzt, alle beglückt, so dass sich jeder darum riss, in Deiner Nähe zu sein. Mal ehrlich, mit sechs Monaten könnte das bei einer Taufe auch ganz anders sein. Aber das bist Du – eine tolle J.!

Noch ganz beseelt von einem schönen Fest für ein besonderes kleines Mädchen geht es jetzt  (- ich will nicht sagen natürlich verspätet, tue es aber ein wenig beschämt doch -) endlich an die Durchführung meines Vorhabens: Eine etwas abgewandelte Triangel-Patchworkdecke für mein frisch gewässertes Patenkind. Die Stoffe sind da, das Bild im Kopf auch, inspiriert von hier und hier und hoffentlich geholfen durch hier. Ich werde berichten.

 

Sprachlosigkeiten

Über: Das Hier und Jetzt, das Da und Dort, das Wir und Die, den Krieg und Frieden, das Gut und Böse, die Angst und den Mut, das Töten und Leben lassen, die Trauer und Freude, den Glauben und das Zweifeln, das Du und Ich, das Meins und Deins, die Opfer und Täter, das Verzeihen und Beschuldigen, das Lügen und Gestehen, das Vertuschen und Verklären, den Hass und die Liebe, den Sinn und Unsinn. Und alles, alles, alles dazwischen. Erklär Deinem Kind die Welt. Ist nicht einfach gerade.

Einfach mal den Stecker ziehen

heartbook by lManchmal will ich einfach den Stecker ziehen. Wenn das eine Kind krank und das andere quengelig ist, wenn sich die Ablage auf dem Schreibtisch über die Ablage stapelt und das Bad aussieht wie ein Dachboden. Wenn es sich so anfühlt, als würden alle anderen ihr Leben prima in den Griff kriegen, nur bei einem selbst rumpelt und hakt es. Wenn man unfair wird und unfair denkt und so gerne fair wäre, aber es eben in diesem Moment nicht kann. Wenn man das Gefühl hat, dass man jetzt einfach gar nichts kann. Kein Kind beruhigen, keine Stapel abarbeiten, kein Zimmer putzen (und natürlich gar keinen Dachboden haben), keinen klaren Kopf behalten, kein gar nichts. Nur den Stecker ziehen. Bitte einen Moment. Jetzt. Zack.

(Foto: Artwork „HeartBook“ by L. Hennebach)

Amoras Pfeil

amoras pfeil Amoras Pfeil hat mich mit voller Wucht getroffen. Trifft mich immer und immer wieder. Etwa in Momenten wie diesen, wenn L. vor mir steht, mit imaginierter Sehne zum halben Bogen, und einer Anmut, die sie für mich tatsächlich zu einem  ätherischen Wesen macht. In all ihrer Schönheit, die mich regelmäßig umhaut – bei ihr wird sogar das schnöde Papiertaschentuch zum zauberhaften Spitzenkopfschmuck. Wenn sie da steht und Liebesengel spielt. Wusch! Hit again! Es ist als wachse die Liebe, so wie sie wächst. Oder wächst eben mit, verändert sich, ist heute die Liebe zu einem fast sechsjährigen Mädchen und nicht mehr zu einem Neugeborenen mit knallrotem Schopf („Rote Haare!“, waren die ersten, etwas erstaunten Worte der Hebamme nach der Geburt – verständlich in Hinblick auf die unserigen nicht-(offensichtlich)roten Köpfe). Obwohl mir damals schon das Herz fast zu platzen schien, vor Liebe und Glück. Meine Amora, mein kleines großes Mädchen. Jetzt wirst Du bald sechs Jahre alt, wirst endlich all das (hoffentlich!) lernen, wonach Du trachtest, wirst in die Schule gehen, mehr Sachen alleine machen müssen (das schaffst Du!), neue Menschen und Aspekte des Lebens und Wissens kennen lernen. Ich habe gar keine Zweifel daran, dass Du Deinen Weg gehen wirst, mit all Deiner Kreativität, Fantasie, Offenheit, Wissbegier und Intelligenz, Deinem (An)Mut, Körpergefühl, Vertrauen, Talent und vor allem Deiner Unmenge an Liebe. Die trägst Du immer in Dir, egal, ob Du klein oder groß bist. Die ist einfach. Da. Und entflammt immer wieder. Wusch! Hit again!

Kinderkunst

mebyherDas bin ich. Und ich bin es wirklich. So, wie sie mich sieht. Und auch ein bisschen, wie ich mich sehe. Das ist schon verrückt, wenn das eigene, fast sechs-jährige Mädchen vor einem sitzt, mit Stift in der Hand und Papier auf dem Schoss, gestützt von einem Buch, und zeichnet. Ganz konzentriert, ganz ruhig. Zu mir guckt, malt, aufs Blatt guckt, malt, zu mir guckt, malt, aufs Blatt guckt, malt und so weiter. Woher hat sie das?, frage ich mich. Wer hat ihr das gezeigt?, wundere ich mich (mal wieder.) Und damit meine ich nicht unbedingt das Können sondern auch die Pose. Ihr Papa schließlich kann ziemlich gut zeichnen, seine Mama war eine Künstlerin, mein Papa zeichnet auch nicht schlecht und eins und eins gibt bekanntlich schon mal drei. Ich bin jedenfalls stolz wie Bolle, dass sie das so kann. Und so macht. Und so will. Unsere Ahnengalerie ist auch schon ein bisschen größer geworden. Hoffentlich darf ich ihr mal wieder Modell sitzen stehen.