Demenz – und weg?

Ein so bewegender Film, auf so vielen Ebenen. Weil Demenz ein großer Teil unserer Gesellschaft ist, auch wenn man sie am liebsten weg haben will. Weil es so verdammt viele verschiedene Formen gibt und neben älteren auch jüngere Menschen treffen kann. Und weil Pflegeheime zwar eine Riesenhilfe aber eben auch nicht aus der Welt sind. Mich bringt er zum Weinen, weil er so nah dran ist.

Film von Eugen Merher (und nicht offiziell von Adidas)

Advertisements

Ein Moment auf dem Deich

bleibeschafrainbow

Ein Moment auf dem Deich, mit der jährlichen Kastanie in der Jackentasche in der einen Hand und dem Telefon in der anderen. Den Tränen des Moments und der vielen Momente, die es so nicht mehr geben wird. Und diesem einen, in dem die Welt ein kleines bisschen stehen blieb. Für mich und die meinen. Der Windstoß vom Meer, das Schaf ein Stück weiter, die Weite im Blick. Wir beide. Und dann nehme ich die Kastanie aus der Tasche, lege auf – ich weiß noch genau, mit wem ich gesprochen habe, dabei sind es so viele, so viele Menschen, Fremde und Bekannte und Geliebte, die ich Stunde um Stunde und Minute um Minute am Ohr habe – und gehe ein, zwei Schritte. Sehe das Loch im Zaunpfahl, stecke die Kastanie rein – und lasse sie da. Und mit ihr all diese Momente dort oben am Deich, in denen die Welt ein kleines bisschen stehen blieb und nichts mehr so war wie zuvor. Ich lasse sie da. Und sehe den Regenbogen.

 

 

Es gibt Eis, Baby

Eistorte.JPG

Man nehme eine Autorin mit dem Auftrag, über selbstgemachtes Eis zu schreiben. Eine Autorin mit Hang zu Leckereien und persönlichen Herausforderungen. Man nehme einen Kindergeburtstag mit dem Motto „Harry Potter“ und die Frage nach dem Kuchen des Tages. Man nehme außerdem die wunderbare Linda Lomelino, einen gut sortierten Küchenartikel-Laden in Prenzlauer Berg und ein Tiefkühlfach, in das eine Menge rein passt. Heraus kommt dieser Artikel und diese Eistorte oben. Mit Zauberhut. Fanden die kleinen Hexen und Magier übrigens hübscher als lecker. Dafür freuten sich die Älteren. Blieb mehr für sie übrig. War nämlich köstlich.

Rezept und Buchvorstellung folgen!

Merken

Merken

Merken

Merken

Das Wort zum Montag I

blueten

Kein einfacher Tag, dieser Montag. Die Kinder wollen nicht in die Kita/Schule, der Mann nicht zur Arbeit, ich nicht an den Schreibtisch. Müssen aber alle. Geht ja nicht anders. Sagt das große Kind beim Frühstück: „Wieso ist es nicht andersherum? Zwei Tage Schule, fünf Tage Wochenende!“ Das wär toll. Finden wir auch. Nicht unbedingt noch mal Schule, aber fünf Tage frei. Bei den Überlegungen, was dann aber noch so alles liegen blieben würde, kamen doch erste Zweifel auf. Und wie sehr würde man dann den ersten der beiden Arbeitstage hassen – gerade mal drin, kaum wieder raus. Und so nicke ich heute dem Montag zu, erfreue mich an den blühenden Bäumen auf dem Weg in die Kita, setze mich an den Schreibtisch, feile am Exposé, recherchiere und arbeite an den bestehenden und geplanten Artikeln. Neu auf dem Programm stehen bei mir der Online-Shop und der Blog für den wunderbaren Friedrichshainer Laden Snugata mit ökologischer Baby- und Kinderkleidung. Allein das wäre im Sommer noch nicht geschafft, wenn ich immer fünf Tage Wochenende hätte. Aber schön, schön wäre es irgendwie dennoch…

 

Zwischen Himmel und Sand

abhiersand

Da stehe ich also und versuche erstmal einen Überblick zu bekommen, wo der Himmel aufhört, das Meer beginnt und der Sand endet. Artikel über Lammbraten in der taz, eine ganz besondere Reise durch Brandenburg, der entstehende Webshop für den hübschen Laden „Snugata“ mit ökologischer Kinderkleidung, für den ich gerade arbeite, sowie ein neues Herzensprojekt standen und stehen an. Und eine kleine Bilderflut von der Nordsee, die geordnet werden will, auch im Kopf. Darunter welche, die mal ausnahmsweise nicht ich, sondern meine Freundin E. Engelhardt gemacht hat. Wie dieses hier. Von meinem Mädchen und mir. Danke!

Erinnerungen an Opa

kiste_opaopaundich1opaundich2

Diese Kiste. Diese alte Kiste mit alten Eisenbahnen. Märklin. Natürlich. Ist schließlich eine Kiste von Opa A., und Opa hatte Eisenbahnen. Das sind seine, und während ich die hübschen Kartons und Details bewundere, die Illustrationen, Leiterchen, Namen und Modelle, gerne aus dem Wilden Westen – und damit ist nicht die alte BRD gemeint – kommen sie wieder hoch, Bilder der Erinnerung. Erinnerungen an Opa. Es sind leider nicht so viele, weil er früh starb, früh krank wurde, eine Krankheit, die den Menschen noch leiser werden lässt, als er es – in Opas Fall – eh schon war. Denn das war er, ein leiser und ein feiner Mann. Immer gut angezogen. Immer nach Rasierwasser duftend – welches es wohl war? Ich werde mal seine Tochter fragen, vielleicht weiß sie es noch. Einer dieser Klassiker bestimmt. Immer ein Kamm in der Tasche, um sich bei jeder ergebenden Gelegenheit die feinen, dichten und vorne so langen grauen Haare nach hinten zu kämmen. Eine Frisur, die ich heute bei Männern gegelt eher schwierig finde, bei meinem Opa aber, der meiner Erinnerung nach Haarwasser oder Haarcreme verwendete (war es Brisk? Birkin!) geradezu edel wirkte. Mit den zackigen Geheimratsecken. In einer Familie, die auf der männlichen Seite auch zum starken Haarverlust auf dem Kopf neigt, stach er heraus. Volles, graues, duftendes Haar. So wie er in diesen Momenten auf mich wirkte, wenn er den Kamm in geübter Bewegung durch sie zog, schnell, mit der anderen Hand sorgsam hinterher streichend, so war mein Opa in Gänze für mich. Bei sich. Ganz ruhig. Im Jetzt. Besonnen. So habe ich ihn auch aus Kinderaugen über seine  Eisenbahnlandschaft gebeugt gesehen. Konzentriert und in diesem einen Moment, ein bisschen für sich. Mit diesem immer etwas skurril anmutenden Spielzeug für große Jungs. Eher ein Einzelgänger als ein Haudrauf und Publikumsmensch. Ich mochte ihn wohl, sehr. Das weiß ich. „Erinnerst Du Dich eigentlich an Opa?“, fragt meine Mutter immer wieder mal. Es ist ihr wichtig, das weiß ich. Weil er ihr wichtig war. Und es macht sie traurig, dass meine Erinnerung an ihn getrübt oder verblasst sein könnte, weil er früh in meinem Leben krank wurde und früh starb. Aber ich erinnere mich. An einen feinen, leisen, duftenden, besonnenen Mann, mit einem schwarz-goldenen Siegelring, warmen Händen, die mich halten und einer ruhigen Stimme, die mit mir spricht, in wenigen Worten, zugewandt und liebevoll. An meinen Opa, den einzigen, den ich noch erlebte. Nicht lange, nicht laut, nicht aufdrängend. Aber ich erinnere mich. Gerne.

Sprachlosigkeiten

Über: Das Hier und Jetzt, das Da und Dort, das Wir und Die, den Krieg und Frieden, das Gut und Böse, die Angst und den Mut, das Töten und Leben lassen, die Trauer und Freude, den Glauben und das Zweifeln, das Du und Ich, das Meins und Deins, die Opfer und Täter, das Verzeihen und Beschuldigen, das Lügen und Gestehen, das Vertuschen und Verklären, den Hass und die Liebe, den Sinn und Unsinn. Und alles, alles, alles dazwischen. Erklär Deinem Kind die Welt. Ist nicht einfach gerade.

Einfach mal den Stecker ziehen

heartbook by lManchmal will ich einfach den Stecker ziehen. Wenn das eine Kind krank und das andere quengelig ist, wenn sich die Ablage auf dem Schreibtisch über die Ablage stapelt und das Bad aussieht wie ein Dachboden. Wenn es sich so anfühlt, als würden alle anderen ihr Leben prima in den Griff kriegen, nur bei einem selbst rumpelt und hakt es. Wenn man unfair wird und unfair denkt und so gerne fair wäre, aber es eben in diesem Moment nicht kann. Wenn man das Gefühl hat, dass man jetzt einfach gar nichts kann. Kein Kind beruhigen, keine Stapel abarbeiten, kein Zimmer putzen (und natürlich gar keinen Dachboden haben), keinen klaren Kopf behalten, kein gar nichts. Nur den Stecker ziehen. Bitte einen Moment. Jetzt. Zack.

(Foto: Artwork „HeartBook“ by L. Hennebach)