Nach vorn

ohpleaseWas war das nur mit diesem 2016? Kaum ein Rückblick, egal ob öffentlich oder privat, klein oder groß, kommt ohne Katastrophen, (Zusammen-)Brüche, Trennungen, Diagnosen und Unfälle unterschiedlicher Art aus. Ist das jedes Jahr so? Oder war 2016 wirklich ein besonders forderndes und „schlechtes“ Jahr? Oder kommt es einem einfach so vor, weil man es selbst so empfand und ganz wie eine frisch Schwangere überall Schwangere und Babies sieht, die einem sonst nie aufgefallen wären oder einen neuen Hut hat, der plötzlich so oder so ähnlich auf vielen Köpfen zu sehen ist?  Die selektive Wahrnehmung ist sicher schuld, dass 2016 heraus sticht. Jetzt lasse ich es langsam hinter mir, mit einem nunmehr über eine Woche alten 2017, das eine wirklich schöne Zahl am Ende hat und hoffentlich für Besseres steht. Nach vorn!

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Adé, ana y otto

ayo

Es war einmal ein wunderbares Café, in einer ruhigen Straße gelegen, nicht weit von hier, mit guten Stühlen und Tischen, geschmackvollen Lampen und einer Schlichtheit, nach der sich die arbeitende Seele bezeiten sehnte. Es war einmal ein Café, in dem stand ein kleiner Tisch, einer von diesen Tischen, mit prima Licht von oben und einer frischen Blume in einer Vase, davor ein schöner Retro-Stuhl, bequem, wahrscheinlich von Thonet, der hat schon viele Menschen getragen, die vielleicht irgendwann mal in einem Kino saßen, in einem Seminar oder einem Vortrag. Oder eben hier, in diesem Café. Mit wirklich gutem Kaffee. Hefeschnecken mit Zimt, weichen Eiern im Glas oder einer unvergleich schmackhaften Linsen-Birnen-Suppe. Mit gutem Service, der genau wusste, was man wollte. Hier an diesem kleinen Tisch, hinten in der Ecke, an dem so viele Texte entstanden, dass ich schon nicht mehr zählen kann. Die Wörter nicht, und auch die Tränen nicht, denn diesen Tisch gibt es nicht mehr. Es gibt diesen Stuhl nicht mehr, und diese Blumen nicht, den Kaffee nicht und den Service erst recht nicht und die Zimtschnecken nicht und überhaupt fast gar nichts mehr. Doch, das Café gibt es noch, es heißt wohl auch noch so. Aber es ist nicht mehr das Gleiche. Adé, altes ana y otto. Ich werde Dich sehr, sehr vermissen. Deine Annika. Vom ersten kleinen Tisch hinten links.

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Es gibt Eis, Baby

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Man nehme eine Autorin mit dem Auftrag, über selbstgemachtes Eis zu schreiben. Eine Autorin mit Hang zu Leckereien und persönlichen Herausforderungen. Man nehme einen Kindergeburtstag mit dem Motto „Harry Potter“ und die Frage nach dem Kuchen des Tages. Man nehme außerdem die wunderbare Linda Lomelino, einen gut sortierten Küchenartikel-Laden in Prenzlauer Berg und ein Tiefkühlfach, in das eine Menge rein passt. Heraus kommt dieser Artikel und diese Eistorte oben. Mit Zauberhut. Fanden die kleinen Hexen und Magier übrigens hübscher als lecker. Dafür freuten sich die Älteren. Blieb mehr für sie übrig. War nämlich köstlich.

Rezept und Buchvorstellung folgen!

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Das Wort zum Montag I

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Kein einfacher Tag, dieser Montag. Die Kinder wollen nicht in die Kita/Schule, der Mann nicht zur Arbeit, ich nicht an den Schreibtisch. Müssen aber alle. Geht ja nicht anders. Sagt das große Kind beim Frühstück: „Wieso ist es nicht andersherum? Zwei Tage Schule, fünf Tage Wochenende!“ Das wär toll. Finden wir auch. Nicht unbedingt noch mal Schule, aber fünf Tage frei. Bei den Überlegungen, was dann aber noch so alles liegen blieben würde, kamen doch erste Zweifel auf. Und wie sehr würde man dann den ersten der beiden Arbeitstage hassen – gerade mal drin, kaum wieder raus. Und so nicke ich heute dem Montag zu, erfreue mich an den blühenden Bäumen auf dem Weg in die Kita, setze mich an den Schreibtisch, feile am Exposé, recherchiere und arbeite an den bestehenden und geplanten Artikeln. Neu auf dem Programm stehen bei mir der Online-Shop und der Blog für den wunderbaren Friedrichshainer Laden Snugata mit ökologischer Baby- und Kinderkleidung. Allein das wäre im Sommer noch nicht geschafft, wenn ich immer fünf Tage Wochenende hätte. Aber schön, schön wäre es irgendwie dennoch…

 

hello 2016

hello2016

Hello 2016, da bist Du ja, kommst mit ein bisschen Kälte, Schnee und Ruhe auf dem Land daher, in der Stadt tobt der Wahnsinn, in den Köpfen auch, was passiert da bloß, zu viel schlechte Nachrichten, unglückliche Aufeinandertreffen, die die falschen Stimmen wieder lauter schreien lassen werden, die eine alte Problematik ans Licht bringen, Frauen sind kein Freiwild verdammte Scheiße, was sollen wir bloß unseren Töchtern sagen, wie sollen sie sich wappnen für diese Welt, mit einem Schwachsinnssatz wie #einearmlänge, hello? Meine Gedanken sind bei den Frauen, die schutzlos einem gewalttätigen Männer-Mob ausgeliefert waren, die das neue Jahr entwürdigend und voller Angst erleben mussten, aber auch bei den völlig überforderten und zu wenigen Polizisten sowie den Flüchtlingen, die jetzt noch schiefer angeguckt werden. Köln, ich denke an Dich. Und hoffe das Beste.

Für alles andere: Auch.

Sprachlosigkeiten

Über: Das Hier und Jetzt, das Da und Dort, das Wir und Die, den Krieg und Frieden, das Gut und Böse, die Angst und den Mut, das Töten und Leben lassen, die Trauer und Freude, den Glauben und das Zweifeln, das Du und Ich, das Meins und Deins, die Opfer und Täter, das Verzeihen und Beschuldigen, das Lügen und Gestehen, das Vertuschen und Verklären, den Hass und die Liebe, den Sinn und Unsinn. Und alles, alles, alles dazwischen. Erklär Deinem Kind die Welt. Ist nicht einfach gerade.

Einfach mal den Stecker ziehen

heartbook by lManchmal will ich einfach den Stecker ziehen. Wenn das eine Kind krank und das andere quengelig ist, wenn sich die Ablage auf dem Schreibtisch über die Ablage stapelt und das Bad aussieht wie ein Dachboden. Wenn es sich so anfühlt, als würden alle anderen ihr Leben prima in den Griff kriegen, nur bei einem selbst rumpelt und hakt es. Wenn man unfair wird und unfair denkt und so gerne fair wäre, aber es eben in diesem Moment nicht kann. Wenn man das Gefühl hat, dass man jetzt einfach gar nichts kann. Kein Kind beruhigen, keine Stapel abarbeiten, kein Zimmer putzen (und natürlich gar keinen Dachboden haben), keinen klaren Kopf behalten, kein gar nichts. Nur den Stecker ziehen. Bitte einen Moment. Jetzt. Zack.

(Foto: Artwork „HeartBook“ by L. Hennebach)