Zwischen Blues und Weltuntergang

Was waren das für Wochen! #lockdownlight (haha!) im November 2020, #lockdown2 seit 16. Dezember 2020, und jetzt die neue Phase in der 11. Woche Lockdown (!!!!) mit zaghaften Schulöffnungen. Mein kleiner Sohn geht für drei Schulstunden täglich wieder in seine Schule, die große Tochter darf noch nicht. Und während es erst Tag 61 oder so war, der sich wie Tag 3927262344 anfühlte, kam der Schnee und ging der Winter, kam die Sonne und blieb der Blues. Oder die Weltuntergangsstimmung, je nach Wetter- und Stimmungslage. Dabei gab es auch gute Momente, natürlich, die gab es: Wenn ein Interview geschafft war, ohne dass die Kinder zwischendurch das tausendste Schinkenbrot haben wollten. Wenn ich bis spät nachts Artikel fertig schrieb, weil es tagsüber wegen Homeschooling und Kinderbetreuung nicht geklappt hatte, und ich mich fast wie in ganz alten Zeiten fühlte, ohne Kinder, ohne Corona, ohne Lockdown. Nur ich und die Nacht und der Text und die Zufriedenheit, wenn ein Wort sich dem anderen anschloss und am Ende da ein guter Satz stand. Oder eher viele davon. Voll im Fluss. Oder die täglichen Spaziergänge, mal mittags, mal nachmittags, manchmal spät am Abend, darüber die Sterne am Berliner Himmel, die mir so lange schon nicht mehr so klar und deutlich schienen. Wenn die Marktfrau gute Laune hatte und wir ein kurzes Pläuschchen hielten, wenn der Zeitungsmann den Laden zumachte und einfach so lächelte, weil wir uns inzwischen öfter sehen (Zeitung, Päckchen, Zeitung, Päckchen). Wenn die Energie da war, trotz wenig Schlaf und Corona-Schwere in der Nacht. Wenn die Familie abends bei „Alf“ oder „Nanny“ wieder in Eintracht auf dem Sofa saß. Wenn die unterschiedlichen Meinungen mit Freund*innen und Bekannten zu Impfen oder Nicht-Impfen, zu entweder „übertriebenen“ Maßnahmen oder „riskanten“ Öffnungen und generell #Corona mal kurz vergessen waren und es sowas wie Normalität gab. Bis einem wieder einfiel: Normalität muss neu geschrieben, neu gefunden werden. Jeden Tag. Und so passte mal das eine, mal das andere Lied besser zu der Stimmung in diesen letzten elf Wochen. Mal war es mehr Blues, mal aber auch Weltuntergang. Und was kommt wohl als Nächstes?

Alone again – ach nee

Es war kurz vorm zweiten Lockdown, an einem Montag. Es war, als raunte man überall von ihm: in der Schule, auf Twitter, überall, wo Menschen zusammenkamen. Und wenn es virtuell war. Die Zahlen gingen zu hoch, die Sorgen wuchsen zu sehr. „Bald ist er da, der Lockdown“, stand es überall geschrieben. Und wenn es im Kopf war.

Ein Gespräch über den Tod und die Trauer tat sein Übriges. Erinnerungen an meinen Vater kamen hoch, Erinnerungen an seine letzten Monate, an den Abschied, an die Zeit danach. Es war traurig – aber es war auch wichtig. Denn wie selten ist im Alltag die Zeit da für diese Momente, diese Erinnerungen.

Und dann fuhr ich im Auto, Laune im Keller, und dann kam dieses Lied. Das mich volle Pulle in die 90er zurück katapultierte, als die 80er ihr erstes Revival erlebten und ich in mich versunken irgendwo in einer Disco in Solingen all meine Teenagergefühle aus mir raus tanzte. Ich hatte es vergessen, aber dann war es wieder da. Dieses Lied. Und ich drehte auf und sang aus vollem Hals mit: „Alone again! Da da da da da da da da daaaaa, uuuh ooooh alone again, da da da da da da da daaaaa!“* Und alles war wieder gut. Für diesen Moment und viele, die danach noch kommen würden.

*Von wegen „Alone again“, der Song heißt „Enola Gay“, aber mein Verhörer passte in dem Moment: Zum Lockdown, zur Erinnerung, zur Trauer. Danke OMD.

Das ist jetzt unser Leben

4. Woche: Die Nacht war okay, nicht zu früh aufgewacht, nicht zu viel und intensiv von Corona geträumt. Nicht so wie in den Nächten davor. Und ich widerstehe dem ersten Impuls, sofort mein Telefon von nebenan zu holen und bei Twitter zu lesen, die neuen Zahlen, die neuen Artikel, die neuen Schrecken. Stattdessen seit Tag 17 des Shutdowns nach dem Aufwachen: #morningpages, inspiriert von Doris Dörrie auf Insta. 10 Minuten schreiben ohne zu denken, ohne zu unterbrechen, ohne zu korrigieren. Über etwas ganz anderes, etwas Erinnertes. Das tut so gut. Die Kinder sind schon wach, ab 8 Uhr dürfen sie auf dem Tablet etwas gucken bis wir frühstücken – das gibt es sonst nur am Wochenende. Es ist kein Wochenende. S. geht entweder ins Büro oder bleibt im Home Office, wir besprechen, wann er wieder da ist und was wir dann noch machen, ob ich Termine habe und wann er die Kinder nehmen kann. Elternorganisation wie immer und doch anders.

Meistens scheint in diesen Tagen die Sonne. Ein unglaublicher Kontrast zu dem eigentlich verhangenem, vernebelten, irrealen Gefühl seit Corona in der Stadt ist. Sonne, das ist Leben. Die Natur knallt durch da draußen, alles sprießt, alles blüht. Und dazu knallblauer Himmel. Wirklich fast jeden Tag, seitdem am Freitag, dem 13. März verkündet wurde, dass ab 19. März Schulen und Kitas geschlossen sind, um die rasante Verbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Beginn des Shutdown. Und meine Kinder lesen den passenden Comic:

Die beiden sind noch ganz gut drauf. Noch. Sie sehen ihre Freundinnen und Freunde nicht mehr (außer über den Bildschirm), hängen viel zu sehr zusammen, miteinander und mit uns. Sie haben nicht einmal eine Auszeit, so wie wir das haben können, entweder im Büro oder auf einem Spaziergang, im Auto oder auf dem Fahrrad. Mal alleine sein. Welch ein Luxus. Alles ist später geworden, das Aufstehen, das Frühstücken, das Anziehen, das Fertigmachen. Egal. Doch kurz Twitter und die wichtigsten Nachrichten checken, Artikel in neuen Fenstern öffnen, es werden immer mehr, die ich lesen will und doch nicht schaffe. Später vielleicht. Erstmal Vorschule und Schule (und bitte keine Corona-News-Panik). Wenn denn dann alle fertig sind. Der 6-Jährige hat schon sämtliche Vorschulblöcke durch, die 10-Jährige kriegt per Email immer wieder neue Aufgaben von den verschiedenen Fachlehrenden. „Mama, was muss ich da machen?“, „Mamaaaaa!“ „Mama, das Heft ist voll!“ Doch, es geht ganz okay. Zwischendurch weiter Twitter auf dem Handy, weiter Nachrichten, weiter über andere lesen, denen es so verdammt viel beschissener geht als uns in unserer Coronazeiten-Blase. Und doch sind da so viele Ängste…

Malvorlagen von Dieter Braun

Gegen Mittag reicht es dann. Raus. WIR MÜSSEN RAUS! Zum Glück haben die Nachbarn noch ein riesiges Trampolin in unseren kleinen Garten gestellt, als alles los ging. Wir wechseln uns ab mit den Kindern, damit die auch nicht mehr zusammen kommen. Vorher und nachher 20 Sekunden Händewaschen, zwei Mal Happy Birthday. Das Lied wird hier jetzt so oft gesungen wie mir mein ganzes Leben nicht. Raus ist die Rettung. Auch wenn es wieder Streit gibt, wenn wieder eine besser ist als der andere oder andersherum. Egal. Wir müssen jetzt raus. Und dann hopsen die beiden und ich werfe sie ab mit dem Ball und sie hopsen noch weiter während ich auf mein Handy linse, weiter die Fenster abarbeite, die ich morgens geöffnet habe, und dann kommt ja auch bald der Podcast mit Drosten, Pflichtprogramm. Wenn es gut läuft, höre ich ihn später während meines Spaziergangs über den Friedhof. Da ist es so ruhig und leer wie nirgends sonst. Jetzt, wo die Menschen Zuhause bleiben sollen, sind die Parks und Grünflächen voll. Die Spielplätze sind zu, aber der Frühling ist da und alle müssen raus damit sie nicht durchdrehen. Mir ist es oft zu voll. Wenn es gut läuft, kommt S. bald nach Hause oder wir wechseln uns Zuhause ab und ich kann alleine raus. Meine Rettung. So oft.

Was essen wir denn heute? Die Essensplanung hat einen ganz großen Raum eingenommen, ich zeichne Pläne und schreibe auf, was es wann geben könnte, was dann noch fehlt, was wir da haben. Wir wechseln uns ab mit Einkaufen, je nachdem, wie es in den Tages- und Arbeitsablauf passt und ob Markt ist, was wir genau brauchen und wer Auto oder Rad fährt – und wir gehen so selten wie möglich. Deshalb ist es immer ein Rieseneinkauf. Wir essen aufwändiger und immer Zuhause. Das ist sonst auch nicht so. Uns fehlen die Restaurants und Imbisse, vor allem mir fehlen die Cafés und kleinen Läden. Zum Glück kann man manchen von ihnen auch in diesen Corona-Zeiten helfen.

Am ewigen Sonntag gibt es auch unter der Woche fast jeden Tag Kaffee und Kuchen. Seit ein paar Tagen gehen wir nur noch mit Stoffmaske zum Einkaufen oder dahin, wo mehrere Menschen sind. Auch zum Bäcker. Ich muss ein bisschen lauter sprechen, damit ich den richtigen Kuchen in die Tüte kriege, weil man mit Stoff vor dem Mund nicht so gut verstanden wird. Beim ersten Mal war es noch echt komisch mit der Maske in der Öffentlichkeit, von Mal zu Mal wird es aber besser. Letztens waren da vor dem Bioladen noch eine Frau mit Maske und ein Mann mit Maske rief ihr und mir zu: „Ein Maskengruß geht an Euch, vorbildlich macht Ihr das! Noch einen schönen Tag!“ Ich lächelte ihm durch die Maske und mit den Augen zu und rief: „Für Sie auch!“ Das war schön.

Wenn es gut läuft, schaffe ich dann noch was für mich. Schreibtisch abarbeiten, Emails beantworten, Ideen werfen und manche wieder verwerfen. Yoga machen. Ukulele spielen. Schreiben. Oder wir unterhalten uns mit den Kindern, wie es sonst nur im Urlaub passiert. Mit viel Zeit und Geschichten von früher und ganz viel Lachen. Spielen zusammen, kruschteln so rum, basteln, bauen, werkeln etwas. Wenn es nicht so gut läuft, geht jeder in sein Zimmer, hört etwas für sich, liest etwas, spielt etwas, ärgert sich etwas. Mal ist ein Tag schlechter, mal ist er besser. Zwischendurch Nachrichten mit den Großeltern und Freundinnen und Freunden lesen und verschicken. Nachfragen wie es geht. Jeden Tag jemand anderen oder auch mehrmals die gleichen. Freundschaften sind so gut und so wichtig. Gerade in diesen Zeiten. Und es fehlt mir so, meine Freundinnen zu sehen und zu umarmen, einmal die Woche skypen oder facetimen oder zoomen wir und fühlen uns dann wieder normaler. Vor allem, wenn uns allen die Corona-Decke auf die Köpfe fällt.

Am Wochenende – also wirklich am Wochenende – fahren wir raus. Das ist das Beste. Das Tipi in dem einen Wald weiterbauen, über die Wiesen bei dem anderen Wald gehen oder die Kinder mit einem Pfad an den Wasserbüffeln vorbei in die Natur locken. Schwimmbad, Westernstadt, Strandbad, Wildpark, alles hat zu. Aber auch im Wald tummeln sich mehr Menschen als sonst, mal wird auf den Abstand geachtet, mal nicht. Und darauf wird geachtet. Es ist eben irgendwie alles anders in dieser Zeit.

S. und ich reden viel, viel über Corona, auch wenn die Kinder im Bett sind. Und manchmal auch gar nicht. In seinem Job kommen neue Probleme mit dem Lockdown, es ist erschreckend und bedrückend. Wir schicken uns täglich Artikel hin und her, die wir interessant und gut finden. Manchmal ist es aber auch zu viel. Dann hilft nur Spielen (er) und Netflix (ich) oder Lesen – oder gar nix (wir). Das ist jetzt unser Leben. Mal sehen, wie lange es noch so geht.

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ZUHAUSE

Wo ist Dein Zuhause? Da, wo Du lebst? Da, wo Deine Liebsten sind? Da, wo Dein Schlafsack ist? Da, wo Du herkommst? In Dir drinnen?

Zuhause. Ich suche es (wieder).

Geboren in Hamburg, drei Jahre da. Dann Gelsenkirchen-Buer. Sieben Jahre. Dann Leverkusen. Acht Jahre. Dann ein Jahr lang Paris und Südostasien. Und dann Berlin. Erst ein paar Monate in der einen WG, dann acht Jahre in der nächsten – zwei Wohnungen, vier Mädels, Kohleöfen, Campingdusche, Prenzlauer Berg, wichtige Jahre. Zuhause! Und das genauso lang wie in dem Haus mit meinen Eltern, damals, als ich ein Teenie wurde, Dirty Dancing liebte und dann Keanu Reeves (der ist ja heute auch wieder cool). Zwischendrin: Paris revisited. Erasmus.

Bis schließlich alles endete, das Studium, die Beziehungen, der unsanierte Zustand der Wohnung, ja, und leider auch die Freundschaften. Irgendwie. Und dann kam der Übergang. Der war bestimmt auch vorher schon mal da, aber jetzt spürte ich ihn, so richtig. Ein Zimmer in Kreuzberg, für mich alleine. Vier Jahre. Journalistinnenjahre. Zuhause? Im Job ja, in der Wohnung nein. Nicht so richtig.

Und dann Friedrichshain, mit der Liebe, der Hoffnung und dem Kinderwunsch. Erst eins, irgendwann zwei, doch keine drei. Wir blieben elf Jahre. Die längste Zeit meines Lebens, die ich in einer Wohnung lebte, in einem Zuhause. Kein Wunder, dass es so schwer fällt, zu gehen. Und das Zuhause hinter sich zu lassen (erzwungener Maßen #Mietenwahnsinn #Verdrängung). Um ein neues zu finden. Vielleicht in der neuen Wohnung, vielleicht woanders.

Sick and sad

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Was für ein Dezember, was für ein Januar. 

Im Zeichen der Trauer und im Zeichen der Grippe, mal hier und mal da, im Zug hin und her, durch Wind und Regen, an seinem Bett, und draußen fällt der Schnee.

In der vollen Kirche, das Bild von einem Schiff, unterwegs zu einem uns unbekannten Hafen, Ahoi und gute Reise, wir lieben Dich.

Im Bett und am Schreibtisch, viel um die Ohren, und Schmerzen darin. Das große Kind an der Seite, im Zug nach dem Sturm, wird zum Blumenmädchen, an dem Baum da im Wald.

In Gedenken an ihn, mit Liebe im Herzen, und Tränen die laufen, jeden Tag noch ein bisschen. Orangen und Ingwer, jeden Tag frisch gepresst, sie machen es besser, hoffentlich.

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Adé, ana y otto

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Es war einmal ein wunderbares Café, in einer ruhigen Straße gelegen, nicht weit von hier, mit guten Stühlen und Tischen, geschmackvollen Lampen und einer Schlichtheit, nach der sich die arbeitende Seele bezeiten sehnte. Es war einmal ein Café, in dem stand ein kleiner Tisch, einer von diesen Tischen, mit prima Licht von oben und einer frischen Blume in einer Vase, davor ein schöner Retro-Stuhl, bequem, wahrscheinlich von Thonet, der hat schon viele Menschen getragen, die vielleicht irgendwann mal in einem Kino saßen, in einem Seminar oder einem Vortrag. Oder eben hier, in diesem Café. Mit wirklich gutem Kaffee. Hefeschnecken mit Zimt, weichen Eiern im Glas oder einer unvergleich schmackhaften Linsen-Birnen-Suppe. Mit gutem Service, der genau wusste, was man wollte. Hier an diesem kleinen Tisch, hinten in der Ecke, an dem so viele Texte entstanden, dass ich schon nicht mehr zählen kann. Die Wörter nicht, und auch die Tränen nicht, denn diesen Tisch gibt es nicht mehr. Es gibt diesen Stuhl nicht mehr, und diese Blumen nicht, den Kaffee nicht und den Service erst recht nicht und die Zimtschnecken nicht und überhaupt fast gar nichts mehr. Doch, das Café gibt es noch, es heißt wohl auch noch so. Aber es ist nicht mehr das Gleiche. Adé, altes ana y otto. Ich werde Dich sehr, sehr vermissen. Deine Annika. Vom ersten kleinen Tisch hinten links.

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Es gibt Eis, Baby

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Man nehme eine Autorin mit dem Auftrag, über selbstgemachtes Eis zu schreiben. Eine Autorin mit Hang zu Leckereien und persönlichen Herausforderungen. Man nehme einen Kindergeburtstag mit dem Motto „Harry Potter“ und die Frage nach dem Kuchen des Tages. Man nehme außerdem die wunderbare Linda Lomelino, einen gut sortierten Küchenartikel-Laden in Prenzlauer Berg und ein Tiefkühlfach, in das eine Menge rein passt. Heraus kommt dieser Artikel und diese Eistorte oben. Mit Zauberhut. Fanden die kleinen Hexen und Magier übrigens hübscher als lecker. Dafür freuten sich die Älteren. Blieb mehr für sie übrig. War nämlich köstlich.

Rezept und Buchvorstellung folgen!

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Das Wort zum Montag I

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Kein einfacher Tag, dieser Montag. Die Kinder wollen nicht in die Kita/Schule, der Mann nicht zur Arbeit, ich nicht an den Schreibtisch. Müssen aber alle. Geht ja nicht anders. Sagt das große Kind beim Frühstück: „Wieso ist es nicht andersherum? Zwei Tage Schule, fünf Tage Wochenende!“ Das wär toll. Finden wir auch. Nicht unbedingt noch mal Schule, aber fünf Tage frei. Bei den Überlegungen, was dann aber noch so alles liegen blieben würde, kamen doch erste Zweifel auf. Und wie sehr würde man dann den ersten der beiden Arbeitstage hassen – gerade mal drin, kaum wieder raus. Und so nicke ich heute dem Montag zu, erfreue mich an den blühenden Bäumen auf dem Weg in die Kita, setze mich an den Schreibtisch, feile am Exposé, recherchiere und arbeite an den bestehenden und geplanten Artikeln. Neu auf dem Programm stehen bei mir der Online-Shop und der Blog für den wunderbaren Friedrichshainer Laden Snugata mit ökologischer Baby- und Kinderkleidung. Allein das wäre im Sommer noch nicht geschafft, wenn ich immer fünf Tage Wochenende hätte. Aber schön, schön wäre es irgendwie dennoch…

 

hello 2016

hello2016

Hello 2016, da bist Du ja, kommst mit ein bisschen Kälte, Schnee und Ruhe auf dem Land daher, in der Stadt tobt der Wahnsinn, in den Köpfen auch, was passiert da bloß, zu viel schlechte Nachrichten, unglückliche Aufeinandertreffen, die die falschen Stimmen wieder lauter schreien lassen werden, die eine alte Problematik ans Licht bringen, Frauen sind kein Freiwild verdammte Scheiße, was sollen wir bloß unseren Töchtern sagen, wie sollen sie sich wappnen für diese Welt, mit einem Schwachsinnssatz wie #einearmlänge, hello? Meine Gedanken sind bei den Frauen, die schutzlos einem gewalttätigen Männer-Mob ausgeliefert waren, die das neue Jahr entwürdigend und voller Angst erleben mussten, aber auch bei den völlig überforderten und zu wenigen Polizisten sowie den Flüchtlingen, die jetzt noch schiefer angeguckt werden. Köln, ich denke an Dich. Und hoffe das Beste.

Für alles andere: Auch.

Sprachlosigkeiten

Über: Das Hier und Jetzt, das Da und Dort, das Wir und Die, den Krieg und Frieden, das Gut und Böse, die Angst und den Mut, das Töten und Leben lassen, die Trauer und Freude, den Glauben und das Zweifeln, das Du und Ich, das Meins und Deins, die Opfer und Täter, das Verzeihen und Beschuldigen, das Lügen und Gestehen, das Vertuschen und Verklären, den Hass und die Liebe, den Sinn und Unsinn. Und alles, alles, alles dazwischen. Erklär Deinem Kind die Welt. Ist nicht einfach gerade.