Und dann das Meer

Manchmal stelle ich mir vor, gleich hinter den Häusern beginnt das Meer. Im Fernsehturm spiegelt sich das Blau, hinter den Platten erhebt sich die riesige Fluke eines Wals, an den Straßenrand schwappt die nächste Welle. Und ich mittendrin.

So wie gerade noch, im Norden. Jeden Morgen, nach dem Frühstück, Kind abgegeben, Sachen gepackt. Mit den anderen Frauen zum Strand, einen Kreis gebildet, aufgewärmt durch die anfeuernden Worte der Therapeutin, die sportliche Betätigung und die Norderneyer Rakete (wer jetzt weiß, was gemeint ist, kann sich freuen;). Atmen. Eine Frage noch und dann kurz darauf das Kommando: „Was sagt Dir das Meer?“ und „Ausziehen!“

Schon allein die Luft an der Haut wirkt wie ein kleiner Schock. Gefühlte minus drei Grad wird später auf der Urkunde stehen, auf die ich wirklich stolz bin. Und dann: ins Meer. Erst nur mit den Füßen und schließlich jeden Tag ein Stück tiefer, ein Stück weiter. Je nach Wetter- und Wellenlage durchaus eine Herausforderung, für 40 Sekunden oder etwas länger dem Wasser Hallo sagen und weiter atmen, auch wenn der Atem stockt. Ein, aus.

Das High danach ist unvergleichlich, weil komplett natürlich. Es geschafft zu haben ist das Eine. Das, was im Körper passiert, das Andere. Endorphin, Serotonin, Dopamin, Adrenalin, you name it. Und so trafen sich ein paar von uns jeden Morgen auch ohne Therapeutin und mit den Kindern auf Norderney zur sogenannten Abhärtung. Es ist das, was mir am meisten fehlt: Das Meer. Von dem ich aber auch so viel mitgenommen habe, in die große Stadt.

2 Gedanken zu “Und dann das Meer

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