Wenn einem was in die Hände fällt

An einem grauen, kühlen Wintermorgen lag es direkt vor mir auf dem Bürgersteig – ein kleines, leeres Vogelnest. Bis auf einen Riss fast intakt und immer noch ein großes Kunstwerk. Ganz rund und fein, außen aus Ästchen, innen lagen einst die Eier und Küken weich gebettet auf Haaren und Flaum, zusammengeknüllten Spinnweben oder Watte. Es musste gerade erst herabgefallen sein, vom starken Wind herunter geweht von dem Baum, der mit seinen Kugeln aussah wie eine kleine Platane. Wer hat es wohl gebaut? Wie lange muss der kleine Vogel daran gearbeitet haben? Mit welcher Emsigkeit? Wie viele Eier lagen drin? Sind alle Küken flügge geworden? Wurden hier mal die kleinen Spatzen von ihren Eltern gefüttert, die sich gleich um die Ecke im Sommer beim Eisladen auf die Krümel stürzen? Die frech neben der Kaffetasse sitzen? Ist das ihr Nest gewesen? Ich habe es aufgehoben und vorsichtig in die Hand genommen – passte genau rein. Und aus dem grauen, kühlen Wintermorgen wurde doch tatsächlich ein Tag, der mir viel Glück gebracht hat. Danke, kleiner Vogel.

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